Im September geht es weiter

Nachdem im März unsere Ausgrabungen und weiteren Untersuchungen nicht statt finden konnten, planen wir nun im September im kleinen Rahmen unsere Forschungen im Feld fortzusetzen. Dazu möchten wir einen möglichen Siedlungsbereich sowie zwei obertägig sichtbare Großsteingräber genauer untersuchen. Weiterhin werden die Bohrungen fortgesetzt. Das schöne Wetter des Sommers soll auch für geomagnetische Prospektionen genutzt werden.

Öffentliche Führungen werden wir nur eingeschränkt anbieten können. Das Vorgehen und Termine geben wir rechtzeitig bekannt.

Großsteingräber im Vergleich

Um das gesellschaftliche Gefüge vergangener Kulturen besser nachvollziehen zu können, bedient sich die Archäologie des Vergleichs. So werden beispielsweise bei Bestattungen einer Kulturgruppe die unterschiedlichen Ausprägungen des Grabbaus und der Beigaben gegenübergestellt, um Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten und damit Muster zu erkennen. Auf diese Weise lassen sich ggf. geschlechtliche, soziale und auch räumliche Ausprägungen belegen. Sie erlauben Rückschlüsse über Gesellschaftsstrukturen innerhalb einer Gemeinde, Region und im überregionalen Vergleich. Für die Trichterbecherkultur sind diese Erkenntnisse von enormer Wichtigkeit, da nur wenige Hinterlassenschaften dieser Menschen bis heute erhalten geblieben sind. In den letzten Jahren wurden deshalb für mehrere Regionen Norddeutschlands solche Vergleiche vorgenommen. Dadurch konnten häufig nicht nur eine langjährige und immer wiederkehrende Nutzung der Bestattungsplätze belegt , sondern auch überregionale Kontaktbeziehungen nachgewiesen werden.

Im Rahmen unseres Projektes wollen wir dies auch an den Großsteingräbern des Elbe-Weser-Dreiecks prüfen. Da diese Region einen Überlappungsbereich der großen Trichterbecher Nord- und Westgruppen darstellt, lassen sich hiermit vielleicht Fragen zur Zugehörigkeit oder auch möglichen regionalen Eigenständigkeit beantworten. Dazu werden derzeit alle Angaben aus der Literatur, der Datenbasis der Kreisarchäologie Cuxhaven sowie der Landesdatenbank zusammengetragen. Somit werden auch Gräber erfasst, die heute bereits zerstört sind, wodurch die einstige Bestattungslandschaft besser nachvollziehbar wird. Hierbei erfolgt zunächst eine Qualifizierung der Daten zu den Gräbern (Genauigkeit der Angaben, Lage, Erhaltungszustand). Außerdem werden topografische und historische Umstände berücksichtigt (Lage im Moor, auf der Geest; erfolgten Untersuchungen, Raubgrabungen?). Der wichtigste Aspekt sind natürlich jedoch die Angaben zu den Gräbern selbst: Grabtyp (Ganggrab, Polygonaldolmen,…), Himmelsausrichtung der Anlage, äußere Konstruktionen (Hügel, Langbett), metrische Daten der Gräber (Maße der Grabkammer, der Außenkonstruktion), Anzahl der Decksteine, Grabkonstruktionen (z.B. Steinpackungen). Sofern Funde erwähnt werden, erfolgt auch hier ein Vermerk. Diese Daten können dann statistisch ausgewertet, sowie die räumliche Verteilung einzelner Merkmale in einem GIS dargestellt werden.

Derzeit befinden wir uns mitten in der Datenaufnahme. Sobald diese abgeschlossen ist, kann die Auswertung losgehen. Erste Zwischenergebnisse zeichnen sich bereits ab. So lassen sich einzelne Bestattungsgruppen, wie die von Ahlen-Falkenberg, herausstellen und von anderen Gruppen abgrenzen (Abb. 1). Die Ergebnisse fließen in die Endpublikation des Projektes ein und werden in Form eines Katalogs zur Verfügung gestellt.

Landschaft der Region Wanna/Flögeln mit bekannten Großsteingräbern. Gut abgrenzbare Grabgruppen sind grau hinterlegt.

Die Suche nach den Siedlungen

Die Bestattungslandschaft der Trichterbecherkultur lässt sich für das Ahlen-Falkenberger Moor mittlerweile ganz gut nachvollziehen. Zum einen sind zahlreiche Anlagen obertägig sichtbar, zum anderen können wir mit Hilfe der geomagnetischen Messung überdeckte Gräber lokalisieren. Schwieriger gestaltet sich die Suche nach den Siedlungen. Von den herausschauenden Geestinseln sind kaum Oberflächenfunde bekannt, die auf größere Siedlungsareale schließen lassen. Aus den vom Moor abgedeckten Bereichen liegen gar keine Hinweise vor. Wie können wir nun Siedlungen finden?

Wir wissen, dass die Oberfläche in der Steinzeit ganz anders aussah als heute, da das Moorwachstum noch nicht so fortgeschritten war. Wir wissen auch, dass die frühen Trichterbechergesellschaften gern nahe des Wassers sowie der Totenstätten siedelten und somit Siedlungsflächen innerhalb des Ahlen-Falkenberger Moores zu vermuten sind. Um diese aufzuspüren, wurden im letzten Jahr großflächig Bohrungen durchgeführt, wodurch im westlichen Untersuchungsbereich Siedlungsschichten entdeckt werden konnten. Im Frühjahr wollen wir diesen Bereich nun archäologisch untersuchen und dazu zwei Schnitte öffnen. Einerseits gilt es die Schichten zu datieren und kulturell einzuordnen, andererseits wollen wir den Erhaltungszustand prüfen. Gibt es hier noch konservierte Holzpfosten, oder sonstige organische Konstruktionen? Im Magnetogramm sind zahlreiche Anomalien zu erkennen, die möglicherweise mit der Siedlung zusammen hängen. Sollte es sich im Ergebnis um eine trichterbecherzeitliche Siedlung handeln, sind im September umfangreichere Ausgrabungen vorgesehen.

Die Arbeiten gehen weiter

Mit neuem Schwung setzen wir die Arbeiten fort. Nach dem ein erster wissenschaftlicher Artikel veröffentlich worden ist, sind wir ab Februar wieder im Gelände. Zunächst sollen die geomagnetischen Messungen fortgesetzt (über die Hälfte ist geschafft) und zusätzlich Bohrungen vorgenommen werden. Die Bohrungen dienen zur Einschätzung alter Bohrdaten vom LBEG. Durch die starke Moorsackung in den letzten Jahrzehnten stimmen die Oberflächenwerte nicht mehr mit den heutigen überein und müssen abgeglichen werden, damit die alten Daten in die neuen Auswertungen mit eingebunden werden können.

Vom 23.3. – 9.4. setzen wir außerdem unsere Ausgrabungen fort. An der Ecke Seestraße in Ahlen-Falkenberg wird der 2019 entdeckte, kreisrunde „Steinhaufen“ vollständig untersucht. Öffentliche Führungen werden wieder wöchentlich, immer mittwochs um 15 Uhr, angeboten. Wir freuen uns über viele Interessierte.

StudentInnen beim Freilegen des Steingrabes im Sommer 2019.

Frohe Feiertage

Kaum zu glauben, aber das erste Projektjahr ist fast um. In der Rückschau sind wir zugegebener maßen sehr zufrieden mit allem was wir geschafft haben: die geomagnetischen Prospektionen und Ausgrabungen, die neue Einblicke zu den Großsteingräbern im Ahlen-Falkenberger Moor ergaben; großflächige Bohrungen, botanische Analysen und geologische Auswertungen erlauben erste Modellrechnungen zur Landschaftsrekonstruktion. Am erfreulichsten ist in unseren Augen jedoch der große Zuspruch der Öffentlichkeit – von Ihnen! Viele Interessierte kamen zu den Vorträgen, besuchten die Ausgrabungen und verfolgten unsere Arbeiten über die Presse und diesen blog. Außergewöhnlich ist zudem die große positive Offenheit der ortsansässigen Bevölkerung und der Behörden gegenüber unserem Projekt! Wir möchten allen dafür danken, dass wir Ihnen die Archäologie näher bringen dürfen und wünschen frohe Feiertage sowie einen erfolgreichen Start ins nächste Jahrzehnt!

Still ruht auch der Trichterbecher über die Feiertage.

Im nächsten Jahr geht es weiter mit zwei Ausgrabungskampagnen (März und September), jeder Menge Bohrungen und geomagnetischen Messungen. Die Feldarbeiten sollen im kommenden Jahr weitesgehend abgeschlossen werden.

Puzzelarbeit bei den Archäologen

Die Keramikscherben werden nach dem Waschen beschriftet und anschließend nach Passstücken gesucht.

In der Zeit nach der Ausgrabung gilt es u.a. das Fundmaterial zu sichten. Hierzu werden die Fundstücke gewaschen und beschriftet. Die Bernsteinperlen müssen zudem konserviert werden. Das besonsdere bei Keramikscherben ist, dass fleißges puzzeln sich hier lohnen kann. Aus dem Ganggrab haben wir einerseits mehrere einzelne kleine Scherben finden können, die z.B. zu der Schale passen (im Hintergrund). Richtige Frikelarbeit leisten wir aber bei den Funden aus dem Eingangsbereich. Durch das mehrfache Betreten des Grabes und Rausräumen der Kammerbeigaben, sind mehrere Gefäße stark zertreten worden. Uns interessiert, wieviel Gefäße es sind und welche Form und Verzierungen sie haben. So können wir abschätzen, ob sie aus einer Nutzungsphase des Grabes stammen. Oder variieren die Verzierungen und Gefäßformen so sehr, dass hier eine zeitliche Tiefe erkennbar ist? Auf diese Weise können wir u.a. Rückschlüsse über die Nutzungsdauer des Ganggrabes von Ahlen-Falkenberg ziehen.

Beispiele für bereits geklebte Gefäßteile.

Zusätzlich ist es möglich, die ermittelten Gefäßtypen mit bekannten Gefäßen aus anderen Großsteingräbern im Elbe-Weser-Dreieck zu vergleichen und zu schauen, ob diese sich ähneln. So können möglichweise regionale und überregionale Stile herausgestellt werden, die auf kleinere Gemeinschaften und großräumige Vernetzungen schließen lassen.

Infoveranstaltung im MoorIZ – 5. und 6.11.2019

Ausgrabungen am Ganggrab im Ahlen-Falkenberger Moor.

Nun ist es endlich soweit – Anfang November möchten wir gern unsere bisherigen Arbeiten und Ergbenisse rund um das Projekt vorstellen. Im Fokus stehen dabei die diesjährigen Ausgrabungen und unsere vorläufigen Ergebnisse zur steinzeitlichen Landschaft. Dazu bringen wir einige Funde aus der Grabkammer mit. Wir freuen uns, dass wir die Veranstaltung wieder im MoorIZ durchführen können und zwar am 5.11. und 6.11.2019 um jeweils 19 Uhr. Jeder Interessierte ist willkommen.