Vor etwa 6000 Jahren war es in Nordeuropa soweit, dass sich die Lebensweise der Menschen radikal umstellte – aus Jäger und Sammlern wurden Bauern. In der Fachwelt spricht man bei diesem Prozess von Neolithisierung, der den Übergang von der Mittel- zur Jungsteinzeit markiert. Dieser Vorgang dauerte sehr lang und es wird in der Forschung immer noch diskutiert, wie sich dieser vollzogen hat. In Mitteldeutschland lebten die Gesellschaften bereits seit über 1000 Jahren von Ackerbau und Viehzucht. Es wird angenommen, dass durch enge Kontakte zwischen den Menschen in Mittel- und Norddeutschland diese Lebensweise stückweise nach und nach übernommen wurde. Mit der Entwicklung des Pflugs, damals aus Holz gebaut, stand dem Getreideanbau nichts mehr im Wege. Hinweise auf erste Anpflanzungen und -nutzung liegen aus zahlreichen See- und Moorprofilen Norddeutschlands vor, in denen Pollen von Getreide ab etwa 4000/3900 v. Chr. entdeckt wurden. Im selben Zuge wurden umfangreich Wälder gerodet, um die Böden nutzbar zu machen und Flächen für Siedlungsplätze zu schaffen. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten domestizierten Tiere, wie Rind und Schwein, deren Knochen in ausgegrabenen Siedlungen gefunden wurden. Einhergehend mit dieser Entwicklung stellten die Menschen in großem Umfang Keramikgefäße her, die sie zum Kochen und Aufbewahren nutzten. Keramik gab es bereits bei den Jäger- und Sammlern, jedoch weist diese eine geringe Formvielfalt und zumeist schlechte Qualität auf. In der beginnenden Jungsteinzeit entwickelte sich nun ein breites Formenspektrum mit aufwendigen Verzierungen. Dabei gab es eine Gefäßform, die überall in Norddeutschland, aber auch in Dänemark, Schweden und Teilen von Polen und den Niederlanden, auftrat – der Trichterbecher. Aus diesem Grund spricht man bei den ersten Bauern von der Trichterbecherkultur. Typisch für diese Kultur waren außerdem polierte Feuersteinbeile und querschneidige Pfeilspitzen. Etwa um 3600 v. Chr. war die Neolithisierung in Norddeutschland abgeschlossen und feste Gesellschaftsstrukturen entwickelten sich. In dieser Zeit fingen die Menschen auch an, Großsteingräber für ihre Toten zu errichten.

Der Neolithisierungsprozess im Elbe-Weser-Dreieck ist bis heute weites gehend unbekannt. Aus den benachbarten Regionen westlich der Weser und vor allem Schleswig-Holsteins liegen bereits umfangreiche Studien hierzu vor – das kleine Gebiet dazwischen stellt jedoch eine Forschungslücke dar. Dies ist besonders bedauernswert, da es sich hier um ein Überlappungsbereich unterschiedlicher später Jäger-Sammler-Kulturen handelt – im Osten die Ertebølle Kultur, im Westen die Swifterbant Kultur. Auch in der Jungsteinzeit bleibt diese besondere Rolle erhalten, als dass hier ein Interaktionsraum zwischen der Nord- und Westgruppe der Trichterbecherkultur und der Altmärkischen Gruppe aus dem Süden besteht.
Dieses Forschungsdesiderat ist mit der Landschaftsgenese im Elbe-Weser-Dreieck zu begründen. Auf den Geestböden bleiben steinzeitliche Befunde, wie Verfärbungen von Gruben oder Pfostenlöchern, kaum erhalten, da in den sandigen Böden die vom Menschen eingebrachten, humos angereicherten Erden vom Regen ausgewaschen werden. In den Marschen werden, durch den ständigen Einfluss des Wassers, die Siedlungsschichten verlagert und überdeckt. Das meiste Potenzial birgt sich in den Mooren, die teilweise erst im Verlauf, oder nach der Jungsteinzeit die trichterbecherzeitlichen Hinterlassenschaften überlagerten. Mit den Untersuchungen im Rahmen des Projektes soll nun die Zeitkapsel vom Ahlen-Falkenberger Moor geöffnet und neue Einblicke in die Entwicklung der Trichterbecherkultur ermöglichen.









