Die typologische Methode

Das Puzzeln von Keramikscherben, wie es aktuell mit den Funden der Grabung gemacht wird, gleicht einem 3D-Puzzle. Allerdings mit dem Problem, dass ein Großteil der Teile fehlen. Wenn man jedoch etwas Glück und viel Geschick hat, lassen sich die Gefäße zumindest zu einem Teil rekonstruieren. Dies hilft dann die zeitliche Einordung durchzuführen. Dabei machen sich die Archäologen die Mode zu Nutze. Objekte, deren Form und Verzierung ändern sich im Laufe der Zeit. Hat man ein Handy vorliegen, so kann sicherlich jeder sagen, welches aus den 1990 Jahren und welches von heute ist. Diese Veränderungen treten in der Geschichte des Menschen schon immer auf. Dabei kann es sich um rein ästhetische Gründe (Verzierung auf Keramik), aber auch um funktionale handeln (Veränderung der Bronzebeile zur besseren Schäftung). Gerade bei der reichverzierten Keramik der Trichterbecherkultur lassen sich Veränderungen der Motive und Gefäßformen sehr gut erkennen und wurden für die Westgruppe von Anna Brindley zu einer typologischen Reihe – also einer zeitlichen Abfolge der Veränderungen zusammengestellt. In dieser suchen wir nun nach Vergleichen zu unseren Scherben und können über die Merkmale eine zeitliche Einordnung vornehmen.

Chronologietabelle der Trichterbecherkultur mit den Horizonten nach Anna Brindley (bunt). Quelle: Mennenga 2017

Puzzelarbeit bei den Archäologen

Die Keramikscherben werden nach dem Waschen beschriftet und anschließend nach Passstücken gesucht.

In der Zeit nach der Ausgrabung gilt es u.a. das Fundmaterial zu sichten. Hierzu werden die Fundstücke gewaschen und beschriftet. Die Bernsteinperlen müssen zudem konserviert werden. Das besonsdere bei Keramikscherben ist, dass fleißges puzzeln sich hier lohnen kann. Aus dem Ganggrab haben wir einerseits mehrere einzelne kleine Scherben finden können, die z.B. zu der Schale passen (im Hintergrund). Richtige Frikelarbeit leisten wir aber bei den Funden aus dem Eingangsbereich. Durch das mehrfache Betreten des Grabes und Rausräumen der Kammerbeigaben, sind mehrere Gefäße stark zertreten worden. Uns interessiert, wieviel Gefäße es sind und welche Form und Verzierungen sie haben. So können wir abschätzen, ob sie aus einer Nutzungsphase des Grabes stammen. Oder variieren die Verzierungen und Gefäßformen so sehr, dass hier eine zeitliche Tiefe erkennbar ist? Auf diese Weise können wir u.a. Rückschlüsse über die Nutzungsdauer des Ganggrabes von Ahlen-Falkenberg ziehen.

Beispiele für bereits geklebte Gefäßteile.

Zusätzlich ist es möglich, die ermittelten Gefäßtypen mit bekannten Gefäßen aus anderen Großsteingräbern im Elbe-Weser-Dreieck zu vergleichen und zu schauen, ob diese sich ähneln. So können möglichweise regionale und überregionale Stile herausgestellt werden, die auf kleinere Gemeinschaften und großräumige Vernetzungen schließen lassen.

Infoveranstaltung im MoorIZ – 5. und 6.11.2019

Ausgrabungen am Ganggrab im Ahlen-Falkenberger Moor.

Nun ist es endlich soweit – Anfang November möchten wir gern unsere bisherigen Arbeiten und Ergbenisse rund um das Projekt vorstellen. Im Fokus stehen dabei die diesjährigen Ausgrabungen und unsere vorläufigen Ergebnisse zur steinzeitlichen Landschaft. Dazu bringen wir einige Funde aus der Grabkammer mit. Wir freuen uns, dass wir die Veranstaltung wieder im MoorIZ durchführen können und zwar am 5.11. und 6.11.2019 um jeweils 19 Uhr. Jeder Interessierte ist willkommen.

Was war denn nun los in der Kammer?

Viele werden sich vielleicht gefragt haben, warum wir so wenig über die Ausgrabungen im Grabkammerbereich geschrieben haben. Nun ja – es wurde etwas stressig. Wir sind Schicht für Schicht 0,9 m tief gekommen – dann wurde es nass. In der Kammer war es eng und wir mussten eine Grundwasserabsenkung einbauen, um trocken bis auf den anstehenden, eiszeitlichen Boden zu gelangen. Was dann auch klappte. Spaß hatten wir aber trotzdem, denn wir konnten einen schönes Plattenpflaster freilegen, welches den Kammerboden bildete. Darüber war eine bis zu 5 cm mächtige Schicht aus Kieselsteinen geschüttet worden, auf der wir zwei Gefäßreste und drei Bernsteinperlen finden konnten! Gefäß 1 ist eine Trichterbecher (leider ohne erhaltenen Trichterrand) mit schöner Bauchfransenverzierung, Gefäß 2 eine Schale. Die Funde befinden sich z.Z. noch in der Restaurierung. Die Scherben gilt es zu reinigen und zu kleben, der Bernstein muss konserviert werden, da er an der reinen Luft sehr schnell zerfallen würde. Sobald die Vorgänge angeschlossen sind, können wir ein schönes Foto vom Fundensemble präsentieren.

Die Kammer selbst wurde nach der Deponierung der Gefäße mit etwas Sand aufgeschüttet (ca. 20-30 cm), danach erfolgte vermutlich keine weitere Nutzung in diesem Bereich. Oberhalb des Sandes fanden wir Hinweise darauf, dass Wasser in der Kammer gestanden haben muss. Wurzeln von um die Kammer stehenden Bäumen haben sich vorzüglich erhalten. Erst mit der Verklappung der Decksteine in diesem Bereich gelangte eine Mischung aus Torf und Sand hierein, womit die Kammer vollständigen zugeschüttet wurde.

Die Auswertung beginnt

Die schönste Zeit des Jahres ist vorbei, zumindest für die Archäologen, Geologen und Botaniker, die gerne draußen unterwegs sind. Die Ausgrabung ist abgeschlossen und alle Flächen verfüllt. Nun geht es aber im Büro und Labor weiter. Die Bohrungen müssen in die Datenbank eingetragen und das Gelände modelliert werden. Gleichzeitig werden die Profile, die wir aus dem Moor gestochen haben, zerschnitten und detailliert analysiert. Aber auch die Funde müssen bearbeitet werden. Alle Scherben werden vorsichtig gereinigt und auf Grundlage der Form und Verzierung bestimmt. Wenn wir alles ausgewertet haben, dann können wir sagen wie alt das Grab ist und wie genau es errichtet, genutzt und verändert wurde. Und auf Grundlage der Ergbnisse der Bohrungen und der Datierungen der Moorschichten können wir beschließen, an welcher Stelle im kommenden Frühjahr die Grabungen weitergehen werden.