Die Arbeiten gehen weiter

Mit neuem Schwung setzen wir die Arbeiten fort. Nach dem ein erster wissenschaftlicher Artikel veröffentlich worden ist, sind wir ab Februar wieder im Gelände. Zunächst sollen die geomagnetischen Messungen fortgesetzt (über die Hälfte ist geschafft) und zusätzlich Bohrungen vorgenommen werden. Die Bohrungen dienen zur Einschätzung alter Bohrdaten vom LBEG. Durch die starke Moorsackung in den letzten Jahrzehnten stimmen die Oberflächenwerte nicht mehr mit den heutigen überein und müssen abgeglichen werden, damit die alten Daten in die neuen Auswertungen mit eingebunden werden können.

Vom 23.3. – 9.4. setzen wir außerdem unsere Ausgrabungen fort. An der Ecke Seestraße in Ahlen-Falkenberg wird der 2019 entdeckte, kreisrunde „Steinhaufen“ vollständig untersucht. Öffentliche Führungen werden wieder wöchentlich, immer mittwochs um 15 Uhr, angeboten. Wir freuen uns über viele Interessierte.

StudentInnen beim Freilegen des Steingrabes im Sommer 2019.

Winterblues im Januar…

Die kurzen und meist feuchten Wintertage laden nicht gerade zu Geländearbeiten ein – daher werden zurzeit die Daten des vergangenen Jahres ausgewertet. Zum Beispiel die zahlreichen Bohrungen. Insgesamt wurden bereits mehr als 600 Bohrungen durchgeführt. Die daraus gewonnenen Ergebnisse wie die Mächtigkeit der Torfschicht, die Tiefenlage des eiszeitlichen Untergrundes und die Verbreitung von alten Meeresablagerungen unter dem Torf sind in eine Datenbank eingegeben worden und können jetzt nach und nach in Kartenform dargestellt werden. Diese Prozedur dient dazu, die neolithische Landschaft zu rekonstruieren. Denn nichts sah damals so aus wie heute. Die Moorverbreitung fing gerade erst an und in die hügelige Landschaft aus Sand- und Lehmkuppen reichten tiefe Meeresbuchten, in die der Gezeitenstrom den Schlick transportierte und ablagerte. Im Bohrkern lässt sich diese Entwicklung ablesen und nach ausgiebigen Laboruntersuchungen auch datieren.

Erste wissenschaftliche Publikation zum Projekt

Zu der wissenschaftlichen Arbeit gehört natürlich auch das publizieren der Ergebnisse der Grabungen und Auswertung. Ein erster Artikel ist nun in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet (SKN)“ erschienen.

Behrens, A., Mennenga, M., Wolters, S. u. Karle, M. 2019: „Relikte im Moor“ – ein neues Projekt zur Erforschung der mittelneolithischen Landschaftsentwicklung im Ahlen-Falkenberger Moor, Ldkr. Cuxhaven. Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 42, 9–22.

Frohe Feiertage

Kaum zu glauben, aber das erste Projektjahr ist fast um. In der Rückschau sind wir zugegebener maßen sehr zufrieden mit allem was wir geschafft haben: die geomagnetischen Prospektionen und Ausgrabungen, die neue Einblicke zu den Großsteingräbern im Ahlen-Falkenberger Moor ergaben; großflächige Bohrungen, botanische Analysen und geologische Auswertungen erlauben erste Modellrechnungen zur Landschaftsrekonstruktion. Am erfreulichsten ist in unseren Augen jedoch der große Zuspruch der Öffentlichkeit – von Ihnen! Viele Interessierte kamen zu den Vorträgen, besuchten die Ausgrabungen und verfolgten unsere Arbeiten über die Presse und diesen blog. Außergewöhnlich ist zudem die große positive Offenheit der ortsansässigen Bevölkerung und der Behörden gegenüber unserem Projekt! Wir möchten allen dafür danken, dass wir Ihnen die Archäologie näher bringen dürfen und wünschen frohe Feiertage sowie einen erfolgreichen Start ins nächste Jahrzehnt!

Still ruht auch der Trichterbecher über die Feiertage.

Im nächsten Jahr geht es weiter mit zwei Ausgrabungskampagnen (März und September), jeder Menge Bohrungen und geomagnetischen Messungen. Die Feldarbeiten sollen im kommenden Jahr weitesgehend abgeschlossen werden.

Die typologische Methode

Das Puzzeln von Keramikscherben, wie es aktuell mit den Funden der Grabung gemacht wird, gleicht einem 3D-Puzzle. Allerdings mit dem Problem, dass ein Großteil der Teile fehlen. Wenn man jedoch etwas Glück und viel Geschick hat, lassen sich die Gefäße zumindest zu einem Teil rekonstruieren. Dies hilft dann die zeitliche Einordung durchzuführen. Dabei machen sich die Archäologen die Mode zu Nutze. Objekte, deren Form und Verzierung ändern sich im Laufe der Zeit. Hat man ein Handy vorliegen, so kann sicherlich jeder sagen, welches aus den 1990 Jahren und welches von heute ist. Diese Veränderungen treten in der Geschichte des Menschen schon immer auf. Dabei kann es sich um rein ästhetische Gründe (Verzierung auf Keramik), aber auch um funktionale handeln (Veränderung der Bronzebeile zur besseren Schäftung). Gerade bei der reichverzierten Keramik der Trichterbecherkultur lassen sich Veränderungen der Motive und Gefäßformen sehr gut erkennen und wurden für die Westgruppe von Anna Brindley zu einer typologischen Reihe – also einer zeitlichen Abfolge der Veränderungen zusammengestellt. In dieser suchen wir nun nach Vergleichen zu unseren Scherben und können über die Merkmale eine zeitliche Einordnung vornehmen.

Chronologietabelle der Trichterbecherkultur mit den Horizonten nach Anna Brindley (bunt). Quelle: Mennenga 2017

Puzzelarbeit bei den Archäologen

Die Keramikscherben werden nach dem Waschen beschriftet und anschließend nach Passstücken gesucht.

In der Zeit nach der Ausgrabung gilt es u.a. das Fundmaterial zu sichten. Hierzu werden die Fundstücke gewaschen und beschriftet. Die Bernsteinperlen müssen zudem konserviert werden. Das besonsdere bei Keramikscherben ist, dass fleißges puzzeln sich hier lohnen kann. Aus dem Ganggrab haben wir einerseits mehrere einzelne kleine Scherben finden können, die z.B. zu der Schale passen (im Hintergrund). Richtige Frikelarbeit leisten wir aber bei den Funden aus dem Eingangsbereich. Durch das mehrfache Betreten des Grabes und Rausräumen der Kammerbeigaben, sind mehrere Gefäße stark zertreten worden. Uns interessiert, wieviel Gefäße es sind und welche Form und Verzierungen sie haben. So können wir abschätzen, ob sie aus einer Nutzungsphase des Grabes stammen. Oder variieren die Verzierungen und Gefäßformen so sehr, dass hier eine zeitliche Tiefe erkennbar ist? Auf diese Weise können wir u.a. Rückschlüsse über die Nutzungsdauer des Ganggrabes von Ahlen-Falkenberg ziehen.

Beispiele für bereits geklebte Gefäßteile.

Zusätzlich ist es möglich, die ermittelten Gefäßtypen mit bekannten Gefäßen aus anderen Großsteingräbern im Elbe-Weser-Dreieck zu vergleichen und zu schauen, ob diese sich ähneln. So können möglichweise regionale und überregionale Stile herausgestellt werden, die auf kleinere Gemeinschaften und großräumige Vernetzungen schließen lassen.