Infoveranstaltung am 2. Juli im MoorIZ

Seit fast 100 Jahren wird das Elbe-Weser-Dreieck zur Westgruppe der Trichterbecherkultur gezählt, den ersten Bauerngemeinschaften im Norden Deutschlands, die vor über 5000 Jahren hier einst siedelten. Dabei gilt diese Region zwischen den großen Strömen Weser und Elbe als Zone mit Einflüssen aus der Nachbarschaft, deren Rolle bislang ungeklärt ist. Das vom Land Niedersachsen (zukunft.niedersachsen) geförderte Projekt „Zwischen den Flüssen und gegen den Strom“ untersucht deshalb bereits seit eineinhalb Jahr die gesellschaftlichen Kontakte und kulturellen Einflüsse der im Elbe-Weser-Dreieck lebenden jungsteinzeitlichen Gemeinschaften. Beim Abendvortrag werden nun die ersten Ergebnisse vorgestellt. So konnte zum einen die Architektur der über 400 bekannten Großsteingräber in der Region ausgewertet werden. Weiterhin wurde mit der Aufnahme der Beigabenfunde aus den Gräbern begonnen. Bereits jetzt wird schon deutlich, dass die frühsten Bauerngemeinschaften eigene Traditionen entwickelten, die sich in der Architektur, der Gestaltung der Keramik und in der Nutzung der Gräber widerspiegelt.

Nicht zuletzt erfolgten gerade erst im Juni Ausgrabungen an einem der ältesten Großsteingräber in der Region – einem erweiterten Dolmen in Wanna. Im Vortrag werden die Fragestellungen und Ergebnisse dargestellt.

Am erweiterten Dolmen von Wanna wurde auch die Außenkonstruktion untersucht. Zwischen den Umfassungssteinen konnte ein leicht verkipptes Trockenmauerwerk erfasst werden.

Der Abendvortrag ist wie immer kostenfrei und beginnt um 18.00 Uhr. Wir freuen uns auf viele interessierte Zuhörer.

Der Weg in die Grabkammer

Eine der Fragen bei der derzeit laufenden Untersuchung am erweiterten Dolmen von Wanna galt der Eingangskonstruktion. Da erweiterte Dolmen den Übergang von der singulären zur Kollektivbestattung darstellen, weisen einige Gräber Eingänge auf, andere nicht. Je nachdem ob es beabsichtigt war die Kammer nochmal aufzusuchen und ggf. zu benutzen, oder ob die Anlage nur für eine einmalige Bestattung vorgesehen war. In Wanna konnte nun ein Durchgang an der Südwest-Seite des Grabes freigelegt werden, was auf eine ehemalige Eingangskonstruktion hindeutet. Die damalige Überdachung ist nicht mehr vorhanden. Allerdings befindet sich in der Kammer ein massiver Trittstein, etwa 35 cm hoch, der den Abstieg in die Grabkammer wie eine Art Treppe ermöglichte. Solch hohe Trittsteine sind eher ungewöhnlich, in den meisten Fällen markiert ein flacher Schwellenstein den Grabkammerbereich. Nichtsdestoweniger scheint der erweiterte Dolmen von Wanna begehbar gewesen zu sein.

In den kommenden vier Tagen wird der Bereich noch weiter untersucht und wir hoffen auf zusätzliche spannende Einblicke.

Der erweiterte Dolmen von Wanna

Gestern hat unsere kleine Grabungskampagne am erweiterten Dolmen von Wanna begonnen. Nachdem wir die Vegetation zurückgeschnitten, ein Vermessungssystem eingerichtet und die oberste Laubschicht entfernt haben, konnten wir heute bereits den derzeitigen Zustand des Grabes dokumentieren. Das Großsteingrab weist heute zwei Decksteine auf, ist Nord-Süd ausgerichtet und hatte vermutlich einen Zugang im Süden (entgegengesetzt Sprockhoffs Skizze). Beim Entfernen des Laubes in der Grabkammer traten zwei größere Steine zu Tage, die vom darüber liegenden Deckstein abgeplatzt sind. In den nächsten zwei Wochen wollen wir den Eingangsbereich untersuchen, um die Konstruktionsweise zu klären. Außerdem hoffen wir auf Funde für eine zeitliche Einordnung des Fundplatztes. Dolmen zählen zu den früheren Großsteingrabtypen, die vor den Ganggräbern errichtet wurden. Das Grab von Wanna zählt somit zu den ältesten Grabanlagen der Trichterbecherkultur im Elbe-Weser-Dreieck.

Open Access Publikation Online – Was haben die Menschen in Wanna gekocht?

Zusammen mit den Kolleginnen von der Universität Bristol haben wir uns die Keramikscherben aus den von uns untersuchten Großsteingräbern und der Siedlung im Ahlen-Falkenberger Moor einmal genauer angesehen. Zum einen konnten wir technologische Untersuchungen durchführen, die uns gezeigt haben, dass die Keramik für Gräber anders hergestellt wurde als die für die Siedlung. Zum anderen war es möglich, Speisefette zu extrahieren, die sich in den Scherben noch erhalten haben. Diese zeigen, dass die Nutzung trotz unterschiedlicher Herstellung sehr ähnlich war. Reste von Wiederkäuern (z. B. Rind) und nicht-Wiederkäuern (z. B. Schwein) konnten festgestellt werden, sodass die Nutzung dieser Tiere für die Zeit um 3000 v. Chr. hier klar belegt werden kann. Etwas überraschend war, dass trotz der Nähe zum Meer keine Reste von Fischen entdeckt wurden. Ob diese Ressource nicht genutzt wurde, belegt dies allerdings nicht. Es ist genauso gut möglich, dass Fisch gegrillt oder auf einem Wege haltbargemacht wurde, der sich nicht in der Keramik nachweisen lässt – denn Fischfang ist aus anderen Regionen zu dieser Zeit nachgewiesen.

Der Artikel ist auf englisch im Fachjournal Archaeometry erschienen und hier kostenfrei zu lesen:

Eine kleine Grabung an einem besonderen Grab

Bevor im Juli/August die Hauptgrabungssaison für uns startet, werden wir bereits im Juni für zwei Wochen ins Gelände gehen und zwar etwas nördlich von unserem gewohnten Untersuchungsbereich. Westlich der Ortschaft von Wanna gibt es mehrere Großsteingräber der Trichterbecherkultur, die aufgrund der Lage am Feuerstättenweg recht bekannt sind. Seltener hingegen werden die Anlagen am fortsetzenden Heideweg beachtet – eine Gruppe von vier Gräbern, die obertägig recht gut sichtbar, aber nur eingeschränkt zugänglich sind. Bei einem davon handelt es sich um einen erweiterten Dolmen, der im Fokus unserer Arbeiten steht. Dolmen treten in der Entwicklung der Großsteingräber vor den regional typischen Ganggräbern auf und sind damit älter. Sie stellen die ältesten Zeitzeugen der Trichterbecherkultur im Elbe-Weser-Dreieck dar, da Nachweise von Urdolmen bislang fehlen. Der Dolmen von Wanna wurde bereits von Sprockhoff in den 1930er Jahren auf Zuarbeit des damaligen Heimatinteressierten Konrad Schäfer beschrieben und skizziert. Demnach handelt es sich um eine Grabkammer bestehend aus je zwei Trägersteinen an der Längsseite und zwei Decksteinen. Der Eingang ist nach Norden orientiert, das Grab von einem Rundhügel mit Steinkreis eingefasst. Es wird vermutet, dass das Grab um 1900 gestört wurde, jedoch existieren hierzu keine Berichte. Heute liegt die Grabkammer frei und die Hügelschüttung ist weitestgehend abgetragen, Funde sind nicht bekannt.

Wanna, FStNr. 1229, Lkr. Cuxhaven. Zeichnung aus Sprockhoff 1975, Grab 631.

Um mehr über den Dolmen zu erfahren, soll vom 8.6.-19.6.2026 eine kleine Ausgrabung im Eingangs- und Grabkammerbereich erfolgen. Ähnlich wie am Ganggrab von Wanna 1591 sind die primären Ziele eine zeitliche Einordnung des Fundplatzes, die Rekonstruktion der Nutzungsgeschichte, die Erfassung des Erhaltungszustandes und die regionale Einhängung. Dazu werden unterschiedlichste Proben genommen, wenn möglich Fundmaterial geborgen und die Architektur dokumentiert. Über die Ergebnisse werden wir hier berichten.

Literatur: Sprockhoff 1975: E. Sprockhoff, Atlas der Megalithgräber, Teil 3 (Bonn 1975).

Öffentlicher Abendvortrag an der Uni Hamburg

Am 29.04.2026 bietet sich nochmal die Gelegenheit Einblicke in die Forschungen unserer Projekte „Relikte im Moor“ sowie „Zwischen den Flüssen“ zu erhalten. Im Rahmen des Kolloquiums des Instituts für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität in Hamburg stellen wir unsere bisherigen Untersuchungen und Ergebnisse vor: Ein Rundumschlag zur Archäologie und Landschaftsentwicklung im Ahlen-Falkenberger Moor, sowie zur Trichterbecherkultur im Elbe-Weser-Dreieck. Interessierte können sich vor Ort in der Edmund-Siemers-Allee 1 (Westflügel), Raum 121 einfinden oder online dazuschalten. Beginn ist 18:15 Uhr. Informationen zur Online-Anmeldung finden Sie über den Link oben.

Unsere Sommergrabung – one last time

In diesem Jahr werden wir vorerst das letzte Mal im Ahlen-Falkenberger Moor ausgraben. Vom 06.07.-21.08.2026 setzen wir unsere Untersuchungen von 2025 fort und schließen diese ab. Im Fokus steht diesmal der Eingangsbereich der Grabkammer von Ganggrab Wanna 1591 und das Umfeld. Wir hoffen hier Deponierungsbereiche zu entdecken, die die Ergebnisse vom letzten Jahr ergänzen sollen. Auch die Grabkammer wird wieder geöffnet, um die Beprobungen, auf der Suche nach neolithischer DNA, fortzusetzen. Weiterhin wird gesiebt und geschlämmt, fotografiert und modelliert. In diesem Jahr erhalten wir dabei Unterstützung von Studierenden aus Berlin, Deventer, Groningen, Kiel, Leipzig und Rostock, sowie einer Reihe von Ehrenamtlichen, die u.a. aus Bremerhaven, Dresden, Flögeln, Neuruppin, Rostock und Walsrode anreisen. Öffentliche Führungen wird es wie immer mittwochs um 15 Uhr geben. Weitere Informationen werden vor Grabungsbeginn hier gepostet, oder sind auf der Internetseite des MoorIZ nachlesbar. Wir freuen uns auf viele Interessierte.

Ausgrabungen am Großsteingrab von Wanna 1591 im Jahr 2025. In diesem Sommer geht es weiter.

Recherche im Stader Museum abgeschlossen

Die Aufnahme trichterbecherzeitlicher Funde aus Großsteingräbern für das Projekt ist im vollen Gange. In den letzten Wochen sind wir dafür nach Stade in das Magazin in Ottenbeck sowie in den Schwedenspeicher gefahren. Hier konnten wir knapp 1000 Scherben mit einem Gewicht von 8,5 kg sowie 13 Feuersteingeräte wie Beilklingen und Querschneider erfassen und wissenschaftlich bewerten. Zudem wurden die Objekte fotografiert, gezeichnet und teilweise mittels SFM als 3D-Modelle abgelichtet. Als nächstes werden die Funde der Landkreisarchäologie in der Agathenburg unter die Lupe genommen, was in den kommenden Wochen erfolgt. Wer mehr Einblick in die Abläufe der Datenaufnahme haben möchte, kann gern unseren Beitrag auf Instagram anschauen. Wir danken herzlichst dem Team um sowie Kuratorin Lea Steinkampf vom Stader Museum selbst für die Bereitstellung aller Materialen und Gerätschaften sowie die ausgesprochen gute Zusammenarbeit.

Du suchst ein MA- oder BA-Thema und hast Lust auf Steinzeit?

Deine Abschlussarbeit in der Forschungswerkstatt Neolithikum

Du suchst noch ein BA- oder MA-Thema?
Du hast Lust auf Steinzeit, echte Funde und ein Projekt mit Publikationsperspektive?

Dann komm ans Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung (NIhK) nach Wilhelmshaven und werde Teil unserer Forschungswerkstatt Neolithikum!

Worum geht es?

Seit 2025 forscht das NIhK im Rahmen des Projekts „Zwischen den Flüssen und gegen den Strom?“ zur Rolle des Elbe-Weser-Dreiecks während der Trichterbecherkultur. Im Fokus stehen Megalithgräber und ihre Funde – und genau hier kommst du ins Spiel.

Wir vergeben Themen zu zehn bislang unveröffentlichten Megalithgräbern Nordwestdeutschlands. Du arbeitest mit originalem Fundmaterial und Dokumentationen, entwickelst eigene Fragestellungen und bringst deine Ergebnisse in einen größeren kulturhistorischen Zusammenhang ein.

Was erwartet dich?

Vom 07.09. bis 02.10.2026 verwandeln wir unseren Vortragssaal in ein archäologisches Großraumbüro.

Du erhältst eine intensive Einführung in die Archäologie der Region, arbeitest mit gängigen Aufnahmesystemen für archäologisches Material und bekommst Unterstützung bei digitalen Tools und Auswertungen. Labore und Bibliothek stehen dir selbstverständlich zur Verfügung.

Unser Ziel: gemeinsame Publikationen.
Du schreibst nicht allein – du arbeitest im Team.

Und das Beste?

Du wohnst mit maritimem Flair auf dem Hostelschiff Arcona im Wilhelmshavener Innenhafen.
Unterkunft und Frühstück sind kostenfrei.

Wer wir sind

Das NIhK beschäftigt sich seit fast 90 Jahren mit der Geschichte von Mensch und Landschaft im norddeutschen Küstenraum. Natur- und Kulturwissenschaftler:innen arbeiten hier Hand in Hand – interdisziplinär, forschungsnah und mit echter Leidenschaft für die Archäologie.

Jetzt bewerben!

Schicke deinen Lebenslauf und ein kurzes Motivationsschreiben an Moritz Mennenga

Eine Perle zwischen botanischen Resten

Das Jahr fing mit einer kleinen Überraschung an – so als wenn das Christkind noch ein Geschenk unter den Weihnachtsbaum gelegt hätte. In einer der Bodenproben konnte unsere Technische Assistentin Claudia Schulenberg eine Bernsteinperle entdecken. Das Objekt ist so klein, dass es zwischen den bereits im Sommer geschlämmten Makroresten zunächst gar nicht auffiel. Nun wird es in der Restaurierungswerkstatt konserviert und gesellt sich anschließend zu den anderen dreizehn Bernsteinperlen, die wir im letzten Sommer bergen konnten.

Bernsteinschmuck zählt zur üblichen Ausstattung der Trichterbecherkultur, er wir vor allem in Gräbern entdeckt. Dabei handelt es sich zumeist um Perlen unterschiedlichster Formen. Am häufigsten sind die einfach durchlochten flachen Exemplare, wie wir sie bisher aus Wanna kennen, aber es gibt a.u. auch doppelaxtförmige, Scheiben und Knöpfe. Intensiv mit dem Thema Bernstein der Trichterbecherkultur hat sich Gisela Woltermann auseinandergesetzt. Wer sich mehr dazu informieren möchte, findet einige Publikationen im Internet. Die Frage nach der Hernkunft des Bernsteins steht auch zur Diskussion. Sowohl baltischer als auch Nordsee-Bernstein wurden viel genutzt und weiträumig verbreitet. Der Bernstein hat seinen Weg bis in die Mittelmeerregion geschafft, wodurch die ausgeprägten Beziehungen und Kontakte der damaligen Bevölkerung sichtbar werden. Eine Analyse der Perlen von Wanna ist für den Herbst vorgesehen, wenn die letzten Grabungen abgeschlossen sind und das gesamte Fundmaterial vorliegt.