Volltreffer!

In den letzten Tagen sind wir wieder mit zwei Personen in der Region unterwegs, um die Moormächtigkeit zu erbohren und die noch fehlenden Daten für die Rekonstruktion der Oberfläche unter dem Moor zu gewinnen. Schon von Anfang an achten wir dabei natürlich auch auf potenzielle Siedlungsanzeiger, also Bodenveränderungen, die uns zeigen, dass an dieser Stelle mal eine menschliche Aktivität stattfand. Auf diesem Wege konnten wir schon ein paar Potenzialflächen ausmachen, doch vor ein paar Tagen haben wir einen Volltreffer gelandet. Bei einer Bohrung konnte unter mehr einem Meter Moor eine auffällige Schicht erbohrt werden – in dieser Schicht kam im Bohrstock auch eine urgeschichtliche Scherbe mit hoch. Nach weiteren Bohrungen könnte es sich um einen urgeschichtlichen Aktivitätsbereich handeln…. weitere Untersuchungen werden folgen!

Unsere Forschungen im Jahr 2021

Das Jahr ist noch jung und unsere Planung weitesgehend abgeschlossen. Nachdem sich durch die Corona-Pandemie im letzten Jahr unsere Arbeiten etwas verzögert haben, steht für dieses Jahr einiges an. Im folgenden dazu eine kleine Übersicht:

  • Bohrungen – Januar/Februar
  • Kleinflächige Untersuchung eines Siedlungsbereiches – Feburar
  • Fortsetztende Ausgrabungen am Steinkistengrab sowie am Großsteingrab – Mitte Juni – Mitte August

Für die große Sommerkampagne werden wir versuchen wieder Führungen anzubieten, vermutlich mit Anzahlbegrenzung und natürlich unter Einhaltung der dann geltenden Corona-Regelungen. Wir hoffen zudem im Herbst wieder Infoveranstaltungen geben zu können, um über den Fortgang und Stand der Arbeiten zu informieren.

Wir freuen uns auf dieses Projektjahr und hoffen, unsere bisherigen Erkenntnisse abrunden zu können. Schön wäre es, wenn Sie uns dabei wieder begleiten.

Frohe Weihnachten

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu und wir möchten die Gelegnheit nutzen, uns zu bedanken. Trotz der Corona-Pandemie war es uns möglich ins Gelände zu gehen und unsere Arbeiten fortzusetzen. Auch unsere geologischen und botanischen Analysen konnten gut vorangetrieben werden, so dass wir erste Landschaftsmodellierungen für die Zeit der Jungsteinzeit vornehmen können. Das Gelingen ist hierbei durch zahlreiche Unterstützer von Seiten des Instituts, des Landkreises, sowie des Ortes Ahlen-Falkenberg zu verdanken. Danken möchten wir zudem den Studenten, die fleißg mit ausgegraben sowie allen Interessierten, die uns auf den Grabungen und bei Vorträgen besucht und zugehört haben. Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten, einen gesunden und guten Start ins neue Jahr und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.

Alles reiht sich ein (?) – die Fortsetzung

Mit den Ausgrabungen im Herbst konnten wir nun insgesamt drei der zwölf Großsteingräber von Ahlen-Falkenberg untersuchen. Wie bereits im letzten Beitrag angedeutet zeichnen sich die Gräber durch eine einheitlich erscheinenden Architektur aus. Dazu zählen:

  • Ganggrab mit 4-5 Decksteinen
  • Eingang mittig und im Süden
  • Massive Rollsteinpackung um die Grabkammer
  • keine weiteren äußeren Strukturen (z.B. Sandhügel)

Damit wirken die Anlagen äußerlich sehr ähnlich, als folgten sie einem Schema. Im Detail werden jedoch kleinere Unterschiede erkennbar. So weist die Grabkammer vom „Möllergrab“ einen leichten Knick auf, was bei den sonst so geraden Kammerwandungen im Elbe-Weser-Dreieck ungewöhnlich erscheint. Auch variieren die Eingänge mit mal einem, mal zwei Trägersteinpaaren. Das gleiche ist bei der Zahl der Decksteine zu beobachten (4-5). Zu dem kommt, dass manche Architekturelemente bereits vor der Übermoorung weitesgehend verändert oder zerstört worden sind. So z.B. die zugefüllten Eingänge, so dass keine Rückschlüsse auf die einstige Verschlusskonstruktion zur Grabkammer mehr möglich sind. Auch die Art der Abdeckung ist ungeklärt, da sie sowohl beim „Möller-“ als auch beim „Wiesengrab“ fehlten. Beim erstgenannten fand sich lediglich eine kleinere flache Platte, die wohl einst dazugehörte.

Nichtsdesto weniger kann herausgestellt werden, dass es sich bei der Grabgruppe von Ahlen-Falkenberg um einen recht homogenen Architekturstil handelt, der hier angewandt wurde. In den Nachbarregionen von Wanna und Flögeln sieht das Bild deutlich heterogener aus (siehe z.B. Abb. Borgstedt), mit in Langbetten eingefassten Ganggräbern und erweiterten Dolmen, die hier das Architekturspektrum weiten. Diese Art der Gräberfeldzusammensetzung findet sich auch in den benachbarten Bundesländern. Hier wurden u.a. längere Entstehungszeiträume und auch Nutzung der Anlagen nachgewiesen.

Übersicht des Gräberfeldes von Borgstedt, S-H (Hage 2016, 65). Zu beachten sind die unterschiedlich gestalteten Anlagen.

Für die Gräber im Ahlen-Falkenberger Moor haben die Ausgrabungen bereits gezeigt, dass auch diese Anlagen länger genutzt wurden. Der einheitliche Baustil deutet allerdings darauf hin, dass diese Grabgruppe vermutlich in kurzer Zeit errichtet worden ist. Im Zuge der weiteren Ausgrabungen im kommenden Jahr sowie noch ausstehenden 14C-Datierungen werden wir hoffentlich bald mehr Licht in diese Sache bringen können.

Hage, F. 2016: Büdelsdorf / Borgstedt. Eine trichterbecherzeitliche Kleinregion. Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung 11. Bonn.

Ausgraben im Moor – ein Beitrag zur Methodik

Wenn man so hört, dass Ausgrabungen im Moor durchgeführt werden, denkt man oft an Morast, Stecken bleiben und viel Aufwand. Tatsächlich erweisen sich die Untersuchungen im Ahlen-Falkenberger Moor aufgrund der trockenen Sommer bislang als recht unkompliziert, sofern man sich an den Jahreszeiten orientiert. Die abgesackten Torfschichten erlauben ein einfaches Arbeiten mit Schaufel und Spaten. Im Sommer und Herbst konnten sogar tiefgreifende Baggerarbeiten von bis zu 1,5 m Tiefe durchgeführt werden. Erst ab ca. 1,2 m Tiefe kommt etwas Wasser, das aus den Torfen heraussickert und ein erweitertes grabungstechnisches Know-how verlangt. Um das Wasser abzuleiten werden zum einen in den Ecken tiefere Schächte angelegt, in denen sich das Wasser sammeln und abgepumpt werden kann. Im Bereich der Grabkammer muss aber auf ein sensibleres Verfahren zurückgegriffen werden – in Form einer lokalen Grundwasserabsenkung, welche als einzelne Metallstange eingetrieben wird.

Im Gegensatz zu den Ausgrabungen finden die geomagnetischen Prospektionen im ganzen Jahr statt. Hier sind wir darauf angewiesen, dass die Witterung trocken bleibt, ansonsten werden die Wiesen schnell unpassierbar.

Von der Scherbe zum 3D-Modell

Das fertige 3D-Modell des Gefäßes aus der Grabkammer

Bei den Ausgrabungen haben wir einige besondere Fundstücke gemacht. Am Beispiel eines Keramikgefäßes aus der Grabkammer zeigen wir noch einmal, welche Stationen die Funde vom Finden bis zur Archivierung oder Ausstellung durchlaufen. Als erstes werden die Funde natürlich entdeckt und die genaue Position vermerkt und sie auch an dieser Stelle (in situ) zentimetergenau eingemessen und dokumentiert. Es wird dann versucht das Gefäß im Ganzen (im Block) zu bergen, was aber nicht in allen Fällen möglich ist. In diesem Falle werden die Scherben möglichst zusammenhängend und vorsichtig freipräpariert und entnommen und dann auf schnellstem Wege in die Restaurierungswerkstatt gebracht. Dort werden sie dann gewaschen, unter Umständen gefestigt und wieder zusammengesetzt. So wird das Gefäß wieder hergestellt und inventarisiert. Nun folgt die Fotosession beim Fotografen in der klassischen Ansichtsaufnahme, aber auch ganze Serien von Bildern werden gemacht, die das Gefäß vollständig abdecken. Daraus kann ein 3D Modell berechnet werden, so dass das Objekt nicht bei jedem Arbeitsschritt wieder aus der Kiste geholt werden muss, sonder esauch virtuell betrachtet werden kann.

Niedergelegt für die Toten – die Beigaben aus dem Grabengrab

Das gut erhaltene Ganggrab im Drainagegraben bei Ahlen-Falkenberg reiht sich architektonisch in den ortstypischen Baustil ein. Neben der O-W-Ausrichtung und der umgebenden Rollsteinpackung besaß es einst vier Decksteine. Beim Anlegen des Grabes muss einer erntfernt worden sein – heute hat es nur noch drei Decksteine. Für uns ist das angesichts der Störung dann doch auch wieder ein glücklicher Umstand, denn so könnten wir die Grabkammer in diesem Bereich untersuchen. In der 2 m x 1,5 m freien Flächen galt es dann zunächst sechs Lagen Steine zu dokumentieren und herauszuwuchten, die beim Entfernen des Decksteins vermutlich in den Kammerraum gestürzt waren. In ca. 1,1 m Tiefe folgte dann der Bestattungshorizont. Eingebettet in einer Sandschicht befanden sich auf dem unebenen Kammerboden die Funde. Im Norden konnte ein Keramikgefäß mit Winkelbandverzierung fast vollständig geborgen werden. Das Gefäß war von einer Steinplatte abgedeckt gewesen, vereinzelte Scherben lagen im südlichen Kammerraum verstreut. Aus der Umgebung stammen drei Bernsteinperlen sowie drei Querschneider, die vermutlich dort zusammen niedergelgt worden waren. Im nördlichen Bereich der Grabkammer fanden sich außerdem zwei Feuersteinbeile und vereinzelte Keramikscherben. Insgesamt schient der Bestattungshorizont ungestört und durch die Sandschicht verschlossen worden zu sein.

Ehrung oder Unterschlupf ? – spätbronzezeitliche Gefäße am Großsteingrab

Am Wiesengrab machten wir in der letzten Grabungswoche eine spannende Entdeckung. Zwischen den zwei östlichen Decksteinen, die beide verkippt daliegen, konnten wir Keramikscherben aus der Spätbronzezeit freilegen. Die drei erkennbaren Gefäße lagen auf der Seite und waren durch das darüberliegende Moor im Laufe der Jahrhunderte zerdrückt worden. Um die Scherben befanden sich mehrere Hölzer und Rindenstücke, die teilweise eine gleichmäßige Ausrichtung aufwiesen – als wenn sie einst eine Konstruktion gebildet hätten.

Hölzer und Keramikscherben zwischen den zwei östlichen Decksteinen vom Wiesengrab. Auf dem hellen oberen Stein liegt ein weiteres, stark vergangenes Gefäß.

Zum Zeitpunkt der Platzierung war das Großsteingrab größtenteils vom Moor zugewachsen. Nur die oberen Spitzen der Trägersteine und der Rollsteineinfassung sowie die Decksteine waren noch sichtbar. Wurden nun die Gefäße gezielt hier niedergelegt, um den verschwindenen Grabstätten eine letzte Ehrung dazubieten? Oder bezeugen diese Funde eine Mahlzeit, bei der die großen Decksteine Schutz im flachen Gelände boten? Nach derzeitigem Stand sprechen mehrere Indizien gegen das zweite Szenario. So fehlen Feuerspuren an den Hölzern und es ist auch verwunderlich, dass die Gefäße nach dem Verweilen hier zurückgelassen wurden. Hingegen ist die Nutzung von Großsteingräbern durch nachfolgende Kulturen als Bestattungsplatz oder für rituelle Aktivitäten vielfach nachgewiesen. In den Grabkammern Norddeutschlands konnten Funde und Skelette aus neolithischer Zeit und Brandbestattungen aus der darauffolgenden Bronzezeit entdeckt werden. Außerhalb der Kammern – beispielsweise am Hügelfuß, am Langbett, oder auch auf den Hügeln aus Stein und Sand – sind Gefäßniederlegungen der Trichterbecherkultur und aus jüngerer Zeit bekannt. Sogar in der Slawenzeit vor etwa 1000 Jahren wurden noch Urnen in den Grabhügeln von Großsteingräbern eingebettet. Sie alle bezeugen eine bestehende rituelle Wirkung der Anlagen über Jahrtausende, die bei vereinzelten Kulturgruppen in unterschiedlicher Zeit gegenwärtig war und in die jeweilige Bestattungslandschaft mit einbezogen wurde. So scheint es auch in Ahlen-Falkenberg zur Spätbronzezeit um etwa 1000 v. Chr. gewesen zu sein.

Wir sagen Tschüss bis zum nächsten Jahr!

Die vier Wochen Ausgrabung waren ruck zuck vorbei. Wir haben zwei Großsteingräber teilweise freigelegt und dabei einen Eingang untersucht sowie einen Grabkammerbereich. Zusätzlich legten wir einen Sondageschnitt zwischen den Anlagen an. Die Ergebnisse übertreffen unsere Erwartungen bei weitem – es war eine sehr erfolgreiche Saison für das Projekt mit interessanten architektonischen Elementen und fantastischen Funden. Das alles wäre ohne unser engagierte Grabungsteam nicht möglich gewesen. Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei allen für die tolle Arbeit bedanken!

Das Grabungsteam 2020: Von links nach rechts – unten: P. Frederiks, J. Lühmann, M. Baumann, R. Baumgartner. Oben: A. Behrens, D. Dallaserra, N. Krüger, K. Wordtmann, V. Collins und B. Wolf.

In den kommenden Wochen stellen wir weitere Beiträge zu den gelaufenen Ausgrabungen online und informieren über die fortlaufenden Arbeiten. Im kommenden Sommer ist eine abschließende achtwöchige Kampagne geplant.

Bohren mit ganz großem Gerät

Letzte Woche war es dann soweit. Nachdem der ursprünglich geplante Bohrtermin im März aus corona-bedingten Gründen verschoben werden musste, fand sich während der Grabungskampagne im September eine neue Gelegenheit, den besonders tiefen Untergrund im Norden des Untersuchungsgebietes zu erforschen. In diesen Flächen nördlich des Großen und Kleinen Ahlens konnten wir bei den magnetischen Messungen feststellen, dass wir es mit einer ehemaligen Küste zu tun haben. Die Firma Royal Eijkelkamp Soil and Water aus Giesbeek/Niederlande, ein Spezialanbieter für Bohrtechnik, stellte dafür ihren auf einer Raupe montierten Vibrationsbohrer samt Crew zur Verfügung. Aufgrund des trockenen Sommers erwies sich die Mooroberfläche als tragfähig für das fast 12 t schwere Bohrgerät und es konnten 6 m Torf und Klei erbohrt werden, bis der eiszeitliche Sand erreicht war. Der nördliche Teil des Gebietes, das Emmelke Tal, ist für die Untersuchungen von besonderem Interesse, da hier zur Zeit der steinzeitlichen Besiedlung ein direkter Kontakt zur Nordsee gegeben war. Dank der großen Bohrtechnik stehen den Geologen und Botanikern nun Bohrkerne mit 10 cm Durchmesser zur Verfügung, um die Landschaftsveränderungen an diesem früheren Meeresarm besser zu verstehen.