Mission accomplished – die Abschlussarbeit zur eisenzeitlichen Wasserstelle erfolgreich verteidigt

Im Februar und April 2021 konnten wir eine eisenzeitliche Wasserstelle westlich von Ahlen-Falkenberg entdecken und untersuchen. Die Arbeiten wurden von Anika Krause unterstützt, die ihre BA-Arbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin im Studiengang Grabungstechnik über die Ausgrabungen verfassen wollte. Im Februar 2022 hat sie die Abschlussarbeit nun eingereicht und im April erfolgreich verteidigt. Wir gratulieren!!! Anika beschreibt in ihrer Arbeit den Grabungsverlauf, die ausgegrabenen Schichten und das Fundmaterial. Sie belegt, dass die Wasserstelle mehrfach genutzt und dabei ausgebessert wurde, u.a. mit Trittsteinen. Als Studentin der Grabungstechnik lag ihr Fokus auch auf der Beschreibung und Nutzung des Vermessungstools Tachy2GIS, welches während der Grabung getestet wurde. Eine Veröffentlichung der Ausgrabungsergebnisse ist für die kommende SKN geplant.

Dokumentationsarbeiten an der Wasserstelle Wanna 1602.

Steinzeit-Ausstellung in Hannover

Passend zum archäologischen Zeitrahmen unseres Projektes ist im Landesmuseum Hannover vor wenigen Tagen die Ausstellung „Die Erfindung der Götter – Steinzeit im Norden“ eröffnet worden. Hier finden sich schöne und besondere Funde und vor allem eine Menge Informationen zum Thema Steinzeit. Natürlich sind in der Ausstellung und im dazugehörigen Buch spannende Fundstellen aus Niedersachsen, dem Elbe-Weser-Dreieck und auch Wanna und Flögeln dabei.

Neuer Versuch – Infoveranstaltung im MoorIZ am 10. Mai 2022

Nachdem im letzten Herbst die Infoveranstaltungen zu unserem Projekt z.T. ausfallen mussten, möchten wir nun den Termin am 10. Mai nachholen. Über drei Jahre forschen wir nun im Ahlen-Falkenberger Moor und möchten unsere Ergebnisse gern allen Interessierten vorstellen. Dazu laden wir wie gewohnt ins MoorIZ ein, Einlass ab 18 Uhr, um 19 Uhr geht es los. Bitte beachten Sie die dann geltenden Corona-Bestimmungen. Gern kann bei dieser Gelegenheit die kleine Sonderaustellung zur Archäologie im Ahlen-Falkenberger Moor kostenfrei besichtigt werden. Auch werden wir Funde aus der Grabungskampagne 2021 zeigen. Wir freuen uns über rege Teilnahme und viele bekannte Gesichter.

Ausgrabungen im Siedlungsbereich von Wanna 1603 im Jahr 2021.

Planungen für 2022

Dieses letzte Projektjahr steht ganz im Zeichen der Aufarbeitung. Nachdem die Geländearbeiten abgeschlossen sind, werden gerade die Ergebnisse zusammengetragen, Karten sowie Modelle erstellt und in verschiedenen Beiträgen zur Publikation vorbereitet. Für letzte abschließende Proben werden noch vereinzelte Bohrungen vorgenommen. Die geomagnetischen Prospektionen sind mit über 800 ha gemessener Fläche in diesem Rahmen mehr als ausreichend und werden nicht weiter fortgesetzt.

Hiermit sind die Vorhaben im Projekt „Relikte im Moor“ absehbar abgeschlossen. Wir möchten unsere Forschungen allerdings gern fortsetzen. Nachdem nun die Großsteingräber im Fokus standen und wir aufgrund der sehr guten Erhaltungsbedingungen umfangreiche Einblicke in die Bestattungslandschaft erhalten haben, ist die dazugehörige Siedlungslandschaft als Ergänzung von zentraler Bedeutung für das Verständnis der Trichterbecherkultur. Selten konnten bislang beide Bereiche innerhalb einer Fundplatzregion erforscht werden. Die Ausgrabungen im Siedlungsbereich 2021 haben gute Ergebnisse geliefert und bieten wichtige Voraussetzungen für eine weitere Förderung. Ein erster Antrag für eine zunächst kleinräumige fortsetzende Untersuchung in diesem Jahr wird derzeit vorbereitet. Danach heißt es Daumen drücken.

Spuren aus der frühen Eisenzeit unter dem Moor

Im Februar and April letzten Jahres haben wir im Westen von Ahlen-Falkenberg nach Siedlungsspuren gesucht und dabei eine Art Wasserstelle entdeckt. Aus dem Sediment am Grubenboden konnten Holzkohlestücke geborgen werden, die nun datiert sind – und zwar in die sehr frühe Eisenzeit. Damit kann die zeitliche Einordnung der Fundstelle, welche bereits anhand der keramischen Funde geschätzt wurde, bestätigt werden. Die in der Eisenzeit lebenden Menschen waren damals mit einer bereits stark vernässten und vermoorten Landschaft konfrontiert. Zahlreiche Bohlenwege aus dem Elbe-Weser-Dreieck, die aus diesem Zeithorizont stammen, bezeugen wie sich die damalige Bevölkerung Lebensräume erschlossen hat. Die in Ahlen-Falkenberg freiegelegte Wasserstelle gibt nun Einblick in die Landnutzung. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit erfolgt derzeit die Aufarbeitung der Ausgrabungen, in dessen Zuge auch die Nutzungsgeschichte des Platzes rekonstruiert werden soll.

Zeitliche Einteilung der Bronze- und Eisenzeit in Nord- und Süddeutschland. Im Elbe-Weser-Dreieck datiert die frühe Eisenzeit in den Zeitraum 800 – 550 v. Chr (Hofmann 2008: K. P. Hofmann, Der rituelle Umgang mit dem Tod).

Wir wünschen Frohe Feiertage!

Nun ist auch das dritte Projektjahr um und wir blicken auf ein intensives und spannendes Jahr zurück. Im kalten Winter haben wir mit Bohrungen sowie geomagnetsichen Prospektionen angefangen und bei -8°C Sondagegrabungen vorgenommen. Sicherlich wurde dieser Einsatz etwas ungläubisch beäugt, doch es hat sich gelohnt. Wir fanden eine vermutlich bronzezeitliche Wasserstelle, welche im April genauer untersucht wurde. Im Sommer folgte unsere vorerst letzte große Ausgrabungskampagne. Zum einen untersuchten wir einen Siedlungsbereich der Trichterbecherkultur, zum anderen den ominösen Steinhaufen, der sich als Kultplatz der ausgehenden Stein- bzw. frühen Bronzezeit erwies. Mit viel studentischer Kraft und der Unterstützung lokaler Landwirte haben wir hunderte von Steinen bewegt, Schubkarren gefüllt und die Erde nach Funden geschlämmt. Mit viel Erfolg, denn die zu Tage getretenen Steinkonstruktionen sind einzigartig und das Fundmaterial gibt einen sicheren Anhaltpunkt für die Datierung sowie die Art der Aktivitäten.

Parallel liefen die Berechnungen zur prähistorischen Landschaft. Die Rekonstruktion des vor der Vermoorung bestehenden Geländereliefs wurde mit einzelnen Bohrungen verfeinert, das Wachstum des Moores durch zahlreiche Datierungen abgesichert. Auch die Zusammensetzung der Flora vor dem Moor und die Entwicklung im Zuge der Vernässung standen im Fokus. Alles wurde visualisiert in 3D-Modellen.

Wir sagen Danke und wünschen allen steinbeinliche, fröhliche Weihnachten!

Auch in diesem Jahr konnten wir bei unseren Arbeiten wieder auf die Unterstützung der Gemeinde, den Landwirten, der Denkmalpflege und den Anwohnern von Ahlen-Falkenberg zählen. Gemeinsam gelang es die (fast) größten Steine zu bergen. Das Highlight war die Eröffnung der Miniausstellung im MoorIZ zu unserem Projekt, in dessen Rahmen wir die Möglichkeit haben unsere Arbeiten vorzustellen. Auch sind wir dankbar, dass wir mit den entsprechenden Hygienemaßnahmen dieses Jahr wieder Führungen anbieten konnten und sind begeistert von dem regen Interesse an der Prähistorie in der Region.

Das kommende Jahr steht im Zeichen der Publikation. Alle zusammengetragene Daten werden sortiert und in Fachzeitschriften vorgelegt. Weiterhin wollen wir die Infoveranstaltungen wieder aufnehmen, um die nun fast vollständigen Ergebnisse abschließend vorstellen zu können.

Wir danken allen Beteiligten für die tatkräftige, geistige und kulinarische Unterstützung, die zum Erfolg dieses Projektjahres beigetragen hat und wünschen erholsame, besinnliche sowie friedliche Feiertage!

Wissenschaftlicher Artikel online

Gerade während der ersten Lockdowns haben wir uns auf die Aufarbeitung von Altdaten konzentriert. Dabei ist unter anderem eine Neubetrachtung der möglichen Kulthäuser von Hainmühlen und Flögeln – südlich des Ahlenmoores – entstanden.

Mennenga, M.: Danish cult houses in north-western Germany? Rethinking the Funnel Beaker buildings of Flögeln and Hainmühlen, District of Cuxhaven. Prähistorische Zeitschrift, aop. DOI: https://doi.org/10.1515/pz-2021-2011

Ecke des „Kulthauses“ von Hainmühlen – Standort der Fruchtschale (Quelle: Mennenga 2021 Abb. 9).

Zusammenfassung:

Zwei Befunde, die während der Ausgrabungen von Flögeln und Hainmühlen, beide Ldkr. Cuxhaven, in den 1960er und 1980er Jahren entdeckt wurden, werden immer wieder in Zusammenhang mit den Kulthäusern der Trichterbecherkultur in Dänemark genannt. Einzelne Aspekte dieser Befunde wurden in geringem Umfang publiziert, aber noch nicht detailliert und zusammenfassend betrachtet. Viele der Informationen fanden im Laufe der Zeit durch mündliche Mitteilungen Eingang in die Fachliteratur und wurden so immer wieder zitiert. Um dieses Desiderat zu beseitigen werden die Funde und Befunde im Folgenden noch einmal vorgestellt und mit weiteren Befunden der Trichterbecherzeit verglichen.

Innendienst – Fundaufnahme und weitere laufende Arbeiten

Nach Abschluss der letzten Grabungen ist die Aufarbeitung der erhobenen Daten im vollen Gange. Dazu zählt auch die finale Aufnahme der Funde nach wissenschaftlichen Kriterien. Nachdem die Funde am NIhK zuvor gewaschen und beschriftet wurden, kann die Fundanalyse beginnen. Für die Feuersteinartefakte wird dabei das Aufnahmesystem SDS (Systematische und digitale Erfassung von Steinartefakten) angewandt. Hierzu werden die Objekte zunächst nach Größe und anschließend nach Typ (Klinge, Abschlag, Kern usw.) sortiert. Es erfolgt das Wiegen und Zählen der Funde pro Katergorie. Für bearbeitete Stücke gibt es noch ein erweitertes Aufnahmesystem von SDS, mehr Informationen sind über den oberen Link erhältlich. Auch Felsgesteinfunde (Mahlsteinfragmente, Reibkugeln, etc.) werden mit SDS aufgenommen.

Aufnahmestrecke für die Feuersteinartefakte mit SDS.

Für die keramischen Funde kommt das Aufnahmesystem von NoNeK (Nordmitteleuropäische Neolithische Keramik) zur Anwendung. Hierfür werden die Scherben zunächst ausgelegt und nach Zusammenpassungen untersucht. Wenn eindeutig festgestellt werden kann, dass einzelne Stücke zu einem Gefäß zusammengehören, werden diese als eine Einheit in NoNeK aufgenommen, ansonsten jede Scherbe für sich. In der Datenbank werden sämtliche metrischen (Gewicht, Größe, Dicke) sowie beschreibende Faktoren (Scherbenart, Magerung, Farbe, Erhaltung) erfasst. Verzierungen kommen in einem gesonderten Formblatt zu Aufnahme und werden nach einem Musterkatalog zugeordnet. Auf diese Weise können Verzierungstypen und -formen verglichen werden.

Das restliche Fundmaterial (Bernstein, Proben) wird in einer einfachen Datenbank erfasst. Die Arbeiten sind mittlerweile weitesgehend abgeschlossen. Parallel erfolgen die letzten 3D-Modell- Rechnungen und Überarbeitungen. In einem letzten Schritt sollen die Funde mit den Modellen kombiniert werden, so dass beispielsweise für die Grabkammer des Grabengrabs erkennbar wird, wo die einzelnen Funde lagen und welche Keramikscherben zusammengehörten. Auf diese Weise kann dargestellt werden, wie und welche Beigaben ursprünglich platziert worden sind.

Was die Bodenkunde alles verrät

Ein zentraler Stützpfeiler in unserem Projekt sind die naturwissenschaftlichen Methoden und Analysen, mit deren Hilfe wir Einblicke in die urgeschichtliche Landschaft Ahlen-Falkenbergs erhalten. Hierzu zählt auch die Bodenkunde. Unsere Expertin am Institut des NIhK, Annette Siegmüller, beschreibt und bestimmt dabei die Böden im Untersuchungsgebiet und wie diese entstanden sind. Neben den Hochmooren liegen heute hier vorallem podsolierte Böden vor, also vom Oberwasser (Regen) ausgeblichene Erden. Im Zuge der Ausgrabungen konnten die Böden unterhalb der Moorschichten aufgedeckt werden. So zeigte sich beispielsweise, dass sich nach Ende der Eiszeit fruchtbare Parabraunerden herausgebildet hatten, welche u.a. einen guten Boden zum Anbau von Nutzpflanzen darstellten. Vorallem unterhalb der Großsteingräber konnten gute Erhaltungsbedingungen beobachtet werden, während in den nicht überbauten Bereichen eine bereits einsetztende Ausbleichung (Podsolierung) erkennbar war.

Mit Hilfe der Bodenkunde können neben den natürlichen Entwicklungsabläufen auch vom Menschen beeinflusste Schichten bestimmt werden. So war am Fuße der Großsteingräber ein zweiter Laufhorizont erkennbar, der sich oberhalb des Steinpackungsrandes entwickelt hat. An dieser Stelle wurden Stechkästen zur Beprobung in die Profile eingebracht, um die genaue Weiterentwicklung der Böden im Labor zu untersuchen. Hierfür werden Dünnschliffe angefertigt. Auf diese Weise ist eine genaue Abgrenzung einzelner prähistorischer Oberflächen möglich. Derzeit befinden sich die Proben in der Auswertung, wir sind gespannt.

Mit Hilfe eines Stechkastens wurde Sediment aus dem Profil geborgen, um im Labor einen Dünnschliff anfertigen lassen zu können. Auf diese Weise können einzelne Bodenbildungsprozesse erkannt und bestimmt werden. Diese spezielle Analyse bezeichnet man als mikromorphologische Untersuchung.