Infoveranstaltung im MoorIZ am 16. und 17.9.

Wir freuen uns, dass wir endlich wieder Infoabende veranstalten können. In den 2,5 Projektjahren fanden mehrere Ausgrabungen und umfangreiche Prospektionen statt. Auch die botanischen und geologischen Arbeiten sind gut vorangeschritten, so dass es viele Ergebnisse sowie Einblicke in die einstige jungsteinzeitliche Landschaft gibt, die wir in diesem Rahmen vorstellen möchten.

Der Veranstaltungsort ist das MoorIZ in Ahlen-Falkenberg. Aufgrund der zu erwartenden Nachfrage, wurden gleich zwei Termine angesetzt: am 16.9. und 17.9. um jeweils 19 Uhr, Einlass ist ab 18 Uhr. Kommen Sie bitte rechtzeitig, da durch die Corona-Regelungen etwas Zeit eingeplant werden muss. Derzeit gilt die 3G-Regel, am Platz besteht Maskenpflicht und wir sind angehalten Ihre Kontaktdaten aufzunehmen.

Wir haben gefühlt jeden Stein umgegraben. Was alles entdeckt und erkundet wurde, berichten wir bei der Infoveranstaltung.

Die letzte Ausgrabung des Projektes ist abgeschlossen

Bereist am 13.8.2021 haben wir nach achtwöchiger Ausgrabung Ahlen-Falkenberg wieder verlassen. Die Grabungsschnitte im Siedlungsbereich wurden Schicht für Schicht verfüllt, der Kultplatz an der Seestraße abgedeckt und ebenfalls zugeschoben. Nun erinnern nur noch die kahlen Stellen in der Wiese an den Archäologensommer von 2021. Viele Ziele, die wir uns gesteckt haben, konnten wir erreichen und so manch spannende Entdeckung machen. Als Highlight betrachten wir den Fundplatz an der Seestraße, welcher sich statt eines Steinkistengrabes als 4000 Jahre alte „Kultstätte“ entpuppt hat. Hier konnten wir auch eine geflügelte Pfeilspitze finden!

Der Fundplatz an der Seestraße wurde vollständig mit Geotextil abgedeckt, bevor der Torf wieder eingefüllt wurde. Somit sind die noch intakten Bereiche des Bodendenkmals vom ausgegrabenen Bereich abgegrenzt.

Mit dem Ende dieser Ausgrabung ist auch der Schlusspunkt größerer Geländearbeiten im Rahmen dieses Projektes erreicht. Für März 2022 ist eine kleine Sondagegrabung geplant, große Flächen werden jedoch nicht mehr geöffnet. Nach 2,5 Jahren und drei großen Grabungskampagnen wird die Zeit bis zum Jahresende 2022 für die Aufarbeitung und Publikationen genutzt. Die Pollenprofile von diesem Jahr werden derzeit im Institut in Wilhelmshaven untersucht und letzte 14C-Proben vorbereitet. Im Bereich der Landschaftsrekonstruktion sind wir gut vorangekommen und es gibt bereits viele Ergebnisse. Am 16. und 17.9.2021 stellen wir im Rahmen einer Infoveranstaltung den aktuellen Stand des Projektes vor. Nachdem letztes Jahr diese ausfallen musste gibt es nun einiges zu berichten. Wir laden dafür ins MoorIZ in Ahlen-Falkenberg ein, Vortragsbeginn ist um 19 Uhr.

Die Ausgrabung in diesem Jahr wurde unterstützt von einer bunt zusammengwürfelten Truppe aus Studenten der Archäologie, Restaurierung, Grabungstechnik und Geographie, sowie zwei FSJlern, zwei Grabungstechnikern sowie der Grabungsleitung. Durch viel Engagement und einem tollen Zusammenhalt hat die Kampagne viel Spaß gemacht und neben der schweren Arbeit gab es immer was zu Lachen. Wir möchten uns bei allen Teilnehmern bedanken und wünschen alles Gute!

Wo die Trichterbecherkultur lebte

Die Grabungen finden in diesen Tagen ihren Abschluss. In den letzten acht Wochen der Feldforschung konnten wir die einst hügelige Landschaft südlich der Ahlenrönne in drei freigelegten Bereichen untersuchen und fanden zahlreiche Spuren der einst hier lebenden Bevölkerung. Von Anfang an kam aus der bis zu 25 cm mächtigen Laufschicht unterhalb des Moores umfangreiches Scherbenmaterial zu Tage, dass jedoch überwiegend unverziert war und keine genaue Zuordnung zu einer Kultur erlaubte. Mit den Arbeiten im 2. Untersuchungsschnitt fanden sich allerdings schnell tiefstichverzierte Scherben, die für die Trichterbecherkultur sprechen. Dazu kamen mehrere Feuersteinwerkzeuge, wie Kratzer und Klingen, eine Schleifplatte aus Felsgestein, das zerbrochene Werkstück einer Bernsteinperle sowie ein Querschneider. Spuren einer einst hier lebenden Bevölkerung. Baukonstruktionen fanden sich leider nach wie vor nicht, dennoch spricht die Dichte an Fundmaterial für einen intensiv genutzten Platz.

Anfang dieser Woche begannen die Arbeiten im 3. Schnitt, welcher im Randbereich des zuvor erbohrten Siedlungsbereiches angelegt wurde. Hier ist der Laufhorizont deutlich geringer ausgeprägt, das Gelände fällt leicht zur Ahlenrönne ab. Dennoch konnten auch hier Scherben der Trichterbecherkultur gefunden werden.

Heute werden sämtliche offene Flächen wieder verfüllt und wir bereiten unsere Abreise aus dem Ahlenmoor vor.

Vom Deckstein zum Findling

Die Untersuchungen am Steinkistengrab haben vor zwei Wochen bereits ihren Höhepunkt erreicht. In dieser Woche kam ein Kran, um den zentralen Stein in der Mitte der Anlage zu heben. Nachdem sämtlich Feldsteine innerhalb des Steinkreises dokumentiert und entfernt sowie letzte Profile angelegt worden waren, konnte mit der Freilegung begonnen werden. Dabei zeigte sich, dass der Stein in der Mitte zum einen bereits in vergangener Zeit angegraben war und zum anderen wurde dieser immer größer. So groß, dass wir am Ende einen fast runden Koloss von gut 13t Gewicht vor uns liegen hatten. Nachdem unsere Geologin Martina Karle einen Blick in die Grube warf, war klar, dass es sich hier nicht um einen Deckstein handelt, sondern um einen natürlichen Findling, welcher mit der Saaleeiszeit vor über 126.000 Jahren nach Ahlen-Falkenberg kam. Ein Grab befindet sich nicht darunter. Vielmehr wurde vor über 4000 Jahren um diesen Stein ein Steinkreis gesetzt mit einem Durchlass im Osten. Weitere Konstruktionen verdeutlichen, dass diesem Platz eine Bedeutung zu kam, den wir Archäologen zumeist als kultisch ansprechen, dessen Funktion aber schwer fassbar ist. Das bislang fehlende Fundmaterial erschwert eine Interpretation. Dagegen erweitert sich das Spektrum der Konstruktionselemente. So konnte außerhalb des Steinkreises bereits ein Pfostenloch entdeckt werden. Diese Woche soll abschließend genutzt werden, um letzte Fragestellungen hierzu abzuschließen. Danach wird die Anlage wieder verfüllt. Die Bergung des Findling scheiterte leider am moorigen Untergrund. Geplant war es den Findling im MoorIZ im Außengelände auszustellen und hier Teile der Fundplatzkonstruktion nachzubauen. So verbleibt alles an Ort und Stelle und kann für die Zukunft bewahrt werden. Eine sensationelle Fundstelle, die verdeutlicht, dass es auch in der Archäologie immer wieder Überraschungen gibt.

Ausstellungseröffnung im MoorIZ

Von Anfang an begleitet und unterstützt uns das Moorinformationszentrum (MoorIZ) in Wanna bei unseren Arbeiten und bietet uns z.B. Platz für unsere Informationsveranstaltungen. In den letzten Monaten hat das MoorIZ eine kleine Ausstellung zu unserem Projekt erschaffen, in der auch Funde aus den aktuellen Grabungen – aber auch viele Informationen zum Thema und erste Landschaftsrekonstruktionen zu sehen sind. Ergänzt werden die Ausstellungsstücke durch Funde des Heimatmuseum Wanna. Ein weiteres Highlight ist ein FÖJ-Projekt des MoorIZ, bei dem die Besucher die Ausgrabungen eines Megalithgrabes unter dem Moor veranschaulicht bekommen. Weitere Informationen sind auf der Seite des MoorIZ zu finden.

Die Steine lichten sich

Am Steinkistengrab sind wir in den letzten zwei Wochen gut vorangekommen. Insgesamt wurden bereits über 1000 Steine abgetragen und der zuvor nur angedeutete Steinkreis mit dem vorgelagerten Steinpflaster ist nun deutlich sichtbar. Innerhalb der Strukturen liegt der Deckstein fast frei, so dass die Planungen für die Hebung desselben auf Hochtouren laufen. Wer sich die Steinkiste in diesem Zustand nochmal anschauen möchte, sollte sich beeilen.

Neues von der Siedlung (?)

Im Bereich der erhofften Siedlung sind wir in den letzten Tagen gut vorangekommen. Unter dem hellen Sandband folgte ein 20 cm mächtiger Horizont, gespickt mit Keramikscherben und Feuersteinartefakten. Dabei waren auch eine Öse aus Keramik, zwei Scherben mit Knubbenverzierungen sowie das Bruchstück eines allseits geschliffenen Feuersteinbeiles. Damit lässt sich die zeitliche Nutzung dieses Areals in die mittlere Jungsteinzeit verorten, möglicherweise sogar zeitgleich mit den Großsteingräbern. Was nach wie vor fehlt, sind Baustrukturen, die auf eine Nutzung als Siedlungsplatz schließen lassen.

Landschaftlich gesehen liegt der Fundplatz auf einer kleinen Kuppe, die heute im Gelände aufgrund der Moorüberprägung nicht mehr als solche erkennbar ist. Das Gelände fällt nach Norden, in Richtung des Großen Ahlen, etwa 4 m ab und endet in der jungsteinzeitlich gefluteten Ahlenrönne. Zur Rekonstruktion dieses lokalen Gebietes wurden aus den Profilen der Schnitte bereits Pollenprofile entnommen. Somit lässt sich eingrenzen, wielange das Gelände begehbar, bzw. als Wohnplatz nutzbar gewesen ist. Eine erste bodenkundliche Einschätzung der Sandschichten, die unter dem Torf folgen, deutet darauf hin, dass die Kuppe zeitweise frei von Vegetation und windanfällig war.

Die Arbeiten im ersten Schnitten können in der kommenden Woche beendet werden. Danach wandern wir in die nächste der vier Flächen.

Erstes Planum geschafft und weiter geht´s!

Letzte Woche konnten wir die Freilegungsarbeiten am Steinkistengrab abschließen, nachdem wir 1,5 Wochen hunderte Steine geschrubbt, die Zwischenräume freigekratzt und mit dem Staubsauger sauber gemacht haben. Nach der Dokumentation, zu der auch SFM-Aufnahmen für eine 3-D-Darstellung gehörten, ging es am Freitag weiter. In den folgenden Wochen nehmen wir nun von oben Lage für Lage ab und es heißt dann wieder schrubben, kratzen, pinseln, staubsaugen, dokumentieren, Steine weg, schrubben, ….

Durch die umfassende Freilegung zeichnen sich nun verschiedene Konstruktionselemente ab, die das Steinkistengrab gliedern. So befindet sich um den bereits erkennbaren großen Deckstein eine massive Steinpackung, die von größeren Steinen eingefasst wird. Davor liegt eine bis zu 50 cm breite Steinpflasterung aus Feldsteinen, die den Steinkreis umgibt. Zahlreiche, verlagerte Steine überlagern an vielen Stellen noch die Strukturen, welche im Zuge der weiteren Ausgrabungen hoffentlich deutlicher erkennbar werden. Es bleibt spannend.