Schwellenstein und Lehmtenne

Rechtzeitig zum Grabungsende vergangene Woche konnte die Eingangskonstruktion umfassend dokumentiert werden. Der Gang, bestehend aus zwei Trägersteinpaaren und drei Decksteinen war etwa 2,3 m lang, 0,6m breit und 1 m hoch. Wie erwartet kam am Übergang zur Grabkammer ein großer Schwellenstein zu Tage, wie es auch von vielen anderen Großsteingräbern beobachtet wurde. Ungewöhnlich war jedoch eine Reihe bestehend aus drei größeren Steinen, die vor dem Schwellenstein platziert waren und eine kleine Hürde darstellten. Davor wies der Gang auf etwa 50 cm Länge eine bis zu 15cm mächtige Lehmtenne auf, ein Lehmauftrag, welcher vermutlich verfestigt wurde. Der restlich Gang bestand aus sehr fest getretenem Sand. Dieser Bereich war auch mit viel Holzkohle vermischt. Von dieser Oberfläche stammen eine Reihe von verzierten Keramikscherben, jedoch konnten wir kein umfassendes Scherbenpflaster entdecken wie 2019 am Seegrab. Der Gang war zusätzlich mit zahlreichen Steinen verfüllt worden, insgesamt 7 Lagen wurden dokumentiert und entfernt. Da der Eingang Störungen aufweist (zwei Decksteine waren verlagert, ein Trägerstein verkippt), ist es denkbar, dass auch die Verfüllung mit diesem Ereignis im Zusammenhang steht. Möglicherweise geschah dies durch die Einzelgrabkultur, deren Zeugnisse wir 2020 am Wiesengrab finden konnten. Dies wird jedoch die in den folgenden Monaten nun stattfinde Auswertung zeigen.

Deponierungen am Großsteingrab

Die trichterbecherzeitlichen Großsteingräber wurden häufig über Jahrhunderte genutzt. Dabei erfolgten nicht nur in der Grabkammer immer wieder neue Niederlegungen von Beigaben und menschlichen Knochen, sondern auch außerhalb des Grabes fanden Aktivitäten statt. Nach diesen suchen wir am Ganggrab von Wanna. Im letzten Jahr konnten wir unter der grabumgebenden Steinpackung an verschiedenen Stellen Teile von Gefäßen entdecken. Sie wurden hier während des Grabbaus niedergelegt und geben damit Hinweis auf den Errichtungszeitpunkt. Vorgestern konnten wir eine weitere Deponierung im neu freigelegten Bereich unter der Steinpackung entdecken. Die Scherben scheinen dabei zu dem halben, bereits restaurierten Trichterbecher zu passen (siehe Link oben) und lagen dabei nur etwa einen halben Meter voneinander entfernt.

Zusätzlich ließen sich auch außerhalb der Grabstruktur einige Gefäße finden. Ein verkippter und leicht zerdrückter Trichterbecher lag östlich des Einganges. In der Nähe fand sich dazu eine weitere Scherbenkonzentration. Unmittelbar vor dem Eingang konnten wir gestern zudem Teile eines weiteren kleinen Bechers bergen.

Im Gegensatz zum letzten Jahr befand sich in dem nun bereits abgegrabenen Laufhorizont, der ehemaligen Oberfläche, auf welcher zur Trichterbecherzeit gegangen wurde, zahlreiche eingetretene Scherben. Besonders vor dem Eingang und am Fuße der Steinpackung häuften sich die Funde.

In den letzten verbleibenden Tagen werden nun erkennbare Befunde geschnitten, Profile dokumentiert und letzte Proben genommen. Auch kommen unsere Geologen ins Gelände und untersuchen die Gesteine des Grabes, um Aufschluss über die Gesteinsart zu erhalten.

Zwei Trägersteinpaare, drei Decksteine – Ein Gang wird sichtbar

Ganggräber zeichnen sich durch einen Eingang aus, der an der Längsseite der Grabkammer angebracht ist. Am Grab von Wanna, FStNr. 1591 befindet sich dieser fast mittig nach Süden ausgerichtet. In den letzten Wochen konnte die Konstruktion nach und nach ausgegraben werden. Demnach besteht der Gang aus zwei Trägersteinpaaren mit je einem Deckstein. Ein dritter Deckstein liegt auf den Trägersteinen der Grabkammer, so dass es insgesamt drei sind. Bei der Freilegung des Grabes Anfang Juli war der mittlere Deckstein zunächst nicht sichtbar, da die Findlinge mit einer Mischung aus kleinen Granitsteinen und Lehm abgedeckt waren. Außerdem zeigte sich, dass der Stein auf einer Seite in den Gang gerutscht und von zahlreichen Steinen aus der umgebenden Steinpackung abgedeckt war. Die anschließend freigelegte relativ kleine Decksteinplatte von etwa 0,8 x 0,8 m wurde für die weiteren Ausgrabungen entfernt.

Auch der vorderste Deckstein lag nicht mehr in situ, sondern etwa 1m westlich des Eingangs. Somit ist der Eingang am Ganggrab deutlich mehr gestört, als zunächst angenommen. Wie auch bei den Gräbern, die 2019 und 2020 untersucht wurden, kam es hier zu Veränderungen am Grab in prähistorischer Zeit, vermutlich durch die der Trichterbecherkultur nachfolgende Einzelgrabkultur.

Der Eingang selbst ist mit zahlreichen Steinen verfüllt, die nun Lage für Lage ausgegraben und dokumentiert werden. Es bleibt spannend.

Schichtwechsel

Am Mittwoch war Bergfest, die Hälfte der Grabungssaison ist um und damit einher geht auch einiger Personalwechsel. Wir möchten die Gelegenheit nutzen und uns bei allen bisherigen EhrenamtlerInnen und Studierenden bedanken, die uns tatkräftig unterstützt haben. In den ersten vier Wochen konnte das Großsteingrab nicht nur wieder freigelegt, sondern auch in einigen Bereich bereits umfassend untersucht werden. Die Oberfläche im Umfeld wurde um 10 cm abgetieft, der Fuß der umgeben Steinpackung freigelegt und der Eingangsbereich erforscht. Hierfür mussten etliche Schubkarren mit Sediment gefüllt und die Schnittrampe hochgefahren, Hunderte von Steinen fortgetragen und etliche Ansichten skizziert, vermessen, fotografiert und beschrieben werden. An den Siebanlagen wurde Sediment nach Funden durchsucht und nach botanischen Resten geschaut.

Nun verlassen uns acht Studierende und acht Neue kommen dazu, bzw. sind teilweise diese Woche schon eingetroffen. Außerdem haben uns sieben ehrenamtliche MitarbeiterInnen über die Zeit unterstützt. Ein großes Dank an euch!

Lage für Lage – die Steinpackung wird abgetragen

Bereits Ende letzter Woche konnten wir die Außenkonstruktion, die die Grabkammer schützend umgibt, freilegen. In dieser Kampagne wird wie im letzten Jahr ein Viertel davon ausgegraben. Es gilt den Aufbau zu untersuchen, Proben zu nehmen und zu prüfen, ob sich die Deponierungen fortsetzen.

Aus dem vergangenen Jahr wissen wir, dass die Außenkonstruktion recht komplex gestaltet ist und sich aus mehreren Schichten zusammensetzt. Direkt um die Trägersteine der Grabkammer wurde eine einlagige Steinpackung gelegt, welche von Sand abgedeckt wird. Darüber folgt eine zweite Steinpackung bestehend aus mehreren Lagen. In dieser Woche konnten wir hiervon zwei Lagen bereits abnehmen und dokumentieren. Aus den zahlreichen dabei aufgenommenen Fotos werden 3D-Modelle mittels structure-from-motion erstellt, die den Konstruktionsaufbau nachhaltig sowie anschaulich festhalten.

Schaufel, Schlamm und erste Fotos

Die erste Ausgrabungswoche ging am Freitag zu Ende – wir haben viel geschafft. Mit zehn Studierenden und zwei Ehrenamtlichen Mitarbeitern konnte der Schnitt zunächst trocken gelegt werden. Danach mussten die verbliebenen Torfschichten abgeschaufelt und von der grabumgebenden Steinpackung abgetragen werden. Da die ersten Tage wetterbedingt noch recht nass waren, galt es vor allem sehr schlammiges Sediment zu entfernen. Auch aus der Grabkammer wurde der Sand sowie das Geotextil, das wir zum Ende der letzten Grabungskampagne im Sommer 2025 ausgelegt hatten, wieder entfernt. Danach konnte die Stützkonstruktion, welches letztes Jahr das THW eingebaut hat, wieder installiert werden. Am Freitag wurde das meiste der Grabungsfläche geputzt und der Erhaltungszustand des Grabes dokumentiert. Folglich beginnen in dieser Woche die Ausgrabungen am Monument. Dazu wird der Sandboden um die Grabkammer einige Zentimeter abgegraben und die ersten Steine von der Steinpackung entfernt.

Die Ausgrabungen in Ahlen-Falkenberg haben begonnen

Bereits letzten Mittwoch fiel der Startschuss für unsere vorerst letzte Ausgrabungskampagne im Rahmen des Projektes „Zwischen den Flüssen und gegen den Strom„. Mit großem Gerät wurden die Torfschichten im südlichen Bereich des Ganggrabes von Wanna, FStNr. 1591 abgetragen. Im Laufe der kommenden sieben Wochen soll der Eingang und seine Umgebung untersucht werden. Wir hoffen auf gut erhaltene Konstruktionen und erwarten weitere Deponierungen rund um das Grab. Auch die Grabkammer wird wieder geöffnet, um die Untersuchungen vom letzten Jahr abzuschließen.

Dieses Jahr erhalten wir Unterstützung von zehn Studierenden sowie mehreren ehrenamtlichen HelferInnen, die uns über die Zeit begleiten. Einen Blick auf die Grabung kann wieder jeden Mittwoch um 15 Uhr bei den öffentlichen Führungen geworfen werden. Treffpunkt ist die Siloplatte gegenüber der Seestraße in Ahlen-Falkenberg. Wenn möglich benutzen Sie auch die Standflächen am Pavillon, die Parkplätze sind begrenzt.

Infoveranstaltung am 2. Juli im MoorIZ

Seit fast 100 Jahren wird das Elbe-Weser-Dreieck zur Westgruppe der Trichterbecherkultur gezählt, den ersten Bauerngemeinschaften im Norden Deutschlands, die vor über 5000 Jahren hier einst siedelten. Dabei gilt diese Region zwischen den großen Strömen Weser und Elbe als Zone mit Einflüssen aus der Nachbarschaft, deren Rolle bislang ungeklärt ist. Das vom Land Niedersachsen (zukunft.niedersachsen) geförderte Projekt „Zwischen den Flüssen und gegen den Strom“ untersucht deshalb bereits seit eineinhalb Jahr die gesellschaftlichen Kontakte und kulturellen Einflüsse der im Elbe-Weser-Dreieck lebenden jungsteinzeitlichen Gemeinschaften. Beim Abendvortrag werden nun die ersten Ergebnisse vorgestellt. So konnte zum einen die Architektur der über 400 bekannten Großsteingräber in der Region ausgewertet werden. Weiterhin wurde mit der Aufnahme der Beigabenfunde aus den Gräbern begonnen. Bereits jetzt wird schon deutlich, dass die frühsten Bauerngemeinschaften eigene Traditionen entwickelten, die sich in der Architektur, der Gestaltung der Keramik und in der Nutzung der Gräber widerspiegelt.

Nicht zuletzt erfolgten gerade erst im Juni Ausgrabungen an einem der ältesten Großsteingräber in der Region – einem erweiterten Dolmen in Wanna. Im Vortrag werden die Fragestellungen und Ergebnisse dargestellt.

Am erweiterten Dolmen von Wanna wurde auch die Außenkonstruktion untersucht. Zwischen den Umfassungssteinen konnte ein leicht verkipptes Trockenmauerwerk erfasst werden.

Der Abendvortrag ist wie immer kostenfrei und beginnt um 18.00 Uhr. Wir freuen uns auf viele interessierte Zuhörer.

Der Weg in die Grabkammer

Eine der Fragen bei der derzeit laufenden Untersuchung am erweiterten Dolmen von Wanna galt der Eingangskonstruktion. Da erweiterte Dolmen den Übergang von der singulären zur Kollektivbestattung darstellen, weisen einige Gräber Eingänge auf, andere nicht. Je nachdem ob es beabsichtigt war die Kammer nochmal aufzusuchen und ggf. zu benutzen, oder ob die Anlage nur für eine einmalige Bestattung vorgesehen war. In Wanna konnte nun ein Durchgang an der Südwest-Seite des Grabes freigelegt werden, was auf eine ehemalige Eingangskonstruktion hindeutet. Die damalige Überdachung ist nicht mehr vorhanden. Allerdings befindet sich in der Kammer ein massiver Trittstein, etwa 35 cm hoch, der den Abstieg in die Grabkammer wie eine Art Treppe ermöglichte. Solch hohe Trittsteine sind eher ungewöhnlich, in den meisten Fällen markiert ein flacher Schwellenstein den Grabkammerbereich. Nichtsdestoweniger scheint der erweiterte Dolmen von Wanna begehbar gewesen zu sein.

In den kommenden vier Tagen wird der Bereich noch weiter untersucht und wir hoffen auf zusätzliche spannende Einblicke.

Der erweiterte Dolmen von Wanna

Gestern hat unsere kleine Grabungskampagne am erweiterten Dolmen von Wanna begonnen. Nachdem wir die Vegetation zurückgeschnitten, ein Vermessungssystem eingerichtet und die oberste Laubschicht entfernt haben, konnten wir heute bereits den derzeitigen Zustand des Grabes dokumentieren. Das Großsteingrab weist heute zwei Decksteine auf, ist Nord-Süd ausgerichtet und hatte vermutlich einen Zugang im Süden (entgegengesetzt Sprockhoffs Skizze). Beim Entfernen des Laubes in der Grabkammer traten zwei größere Steine zu Tage, die vom darüber liegenden Deckstein abgeplatzt sind. In den nächsten zwei Wochen wollen wir den Eingangsbereich untersuchen, um die Konstruktionsweise zu klären. Außerdem hoffen wir auf Funde für eine zeitliche Einordnung des Fundplatztes. Dolmen zählen zu den früheren Großsteingrabtypen, die vor den Ganggräbern errichtet wurden. Das Grab von Wanna zählt somit zu den ältesten Grabanlagen der Trichterbecherkultur im Elbe-Weser-Dreieck.