Vier Wochen sind um und die Ausgrabungen erst einmal beendet

Unsere erste Ausgrabungskampagne konnten wir letzten Freitag erfolgreich abschließen. Mit viel Muskelkraft und der Hilfe von Bagger und Trecker haben wir die Schnitte wieder verfüllt. Die Untersuchungen haben uns spannende Erkenntnisse geliefert – zum Grabbau und zur Grabnutzung, aber auch hinsichtlich der Erhaltungsbedinungen konnten grundlegende Fragen beantwortet werden. Nun gilt es die Daten und Funde zu sichten, Proben zu sortieren und herauszusuchen für die Datierung. Wir hoffen schon bald tolle Ergebnisse präsentieren zu können. Auf dem Blog informieren wir weiterhin über unsere Arbeitsschritte, Infoveranstaltungen im MoorIZ sind für den Herbst in Planung und werden rechtzeitig über Zeitung und Internet angekündigt. Wir waren erstaunt und dankbar über das große Interesse bei den Grabungen und hoffen weiterhin die Archäologie und unsere Forschungen gut vermitteln zu können.

Das Team 2019.

Verschlossen für die Ewigkeit

Am Großsteingrab graben wir den Eingangsbereich aus, welcher mittig an der Langseite gebaut wurde, um die Konstruktion des Ganges zu untersuchen. Bereits vor zwei Wochenen konnten wir die westlichen Trägersteine des Ganges entdecken, sowie einen verrutschten Deckstein, der vor dem Eingang lag. Die Trägersteine auf der Ostsseite fehlen. Stattdessen fanden wir Steine über Steine, die den gesamten Eingangsbereich ausfüllen. Der Zugang ist somit intentionell verschlossen worden, noch vor der Übermoorung, möglicherweise noch im Neolithikum.

Rechts im Bild sind die großen Trägersteine sowie ein Deckstein des Großsteingrabes erkennbar. Links davor liegt der Eingang mit zwei kleineren Trägersteinen (oben im Bild), verfüllt mit Feldsteinen.

Aus groß wird größer – das Rätsel ist noch nicht gelöst

In fester Hoffnung ein weiteres Großsteingrab im Moor durch die Geomagnetik entdeckt zu haben, begannen wir vor 2 Wochen die Anomalie direkt an der Seestraße zu untersuchen. Dabei zeigte sich zunächst ein größerer Steinhügel, dessen archäologische Einordnung so nicht bestimmbar war. Um die Befundlage besser nachvollziehen zu können, wurde nun der Hügel vollständig freigelegt, so dass die Form im Ganzen erkennbar ist. Zu Tage kam ein ca. 1 m hoher, kreisrunder Hügel mit einem Durchmesser von etwa 5, 5 m. Im Nordwest-Viertel wurde bereits die obere Steinlage entfernt. Darunter ist ein großer Findling erkennbar, welcher etwa mittig in der Anlage liegt. Darüber und drum herum bilden mehrere größere, z.T. aufrecht stehende Steine eine Art Einfassung, die noch von kleineren Steinen abgedeckt wird. Morgen werden diese abgetragen, um die Struktur besser erkennen zu können.

Es bleibt spannend – wir hoffen im Endspurt der letzten Grabungswoche diese wichtigen Fragen der Befund- und Kulturzuweisung klären zu können. Wer selbst einen Blick auf dieses Monument werfen will, hat am Donnerstag, den 8.8. um 15 Uhr wieder Gelegenheit dazu.

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Aus 4 mach 5

Eine wichtige Fragestellung, die bei unseren derzeitigen Untersuchungen geklärt werden soll, besteht darin, die Architektur des Großsteingrabes zu erforschen. Dazu zählt u.a. die Anzahl der Decksteine zu ermitteln. Bislang sind aus dem Raum Ahlen-Falkenberg vorallem Ganggräber mit drei oder vier Decksteinen bekannt. Zunächst sind wir bei dem jetzt untersuchten Grab ebenfalls von 4 Steinen ausgegangen (drei waren sichtbar, von einem vierten, bereits entfernten, wurde von den Anwohnern berichtet). Als nun die Ausgrabungen begannen, entdeckten wir zwei große Findlinge direkt neben der Grabkammer, bei denen es sich um den erzählten entfernten Deckstein handelt. Sie wurden damals unmittelbar neben dem Grab dort in einer Grube verklappt. Nun stellte sich die Frage, ob es sich hier um einen, in zwei Stücke gebrochenen Stein handelte, oder um zwei eigenständige Teile. Als am Montag einer der Steine aus dem Schnitt gehoben werden musste, da dieser gegen die Grabkammer drückte, waren keine scharfkantigen Bruchstellen erkennbar, die auf eine Spaltung hindeuten würden. Demnach wurden tatsächlich damals zwei Decksteine entfernt, so dass wir nun sicher sagen können, dass wir hier am Dahlemer See ein Ganggrab mit einst 5 Decksteinen vorliegen haben. Es stellt somit die bislang größte bekannte Grabanlage im Ahlen-Falkenberger Moor dar.

Endlich die ersten spannenden Funde

Heute war es nun soweit, wir konnten die ersten Funde sichern, die auch zeitlich bestimmbar sind. Beim Abtiefen im Bereich der Grabkammer kamen einige Keramikscherben zu Tage, darunter auch das Randstück einer Schale mit Knubbenverzierung. Sowohl die Machart der Keramik als auch die Form und Verzierung sind typisch für das Neolithikum.

Vermutlich mittelneolithische Randscherbe einer Schale mit Knubbenverzierung unterhalb des Gefäßrandes.

Unlängst konnten schon immer mal wieder Bruchstücke von Klingen, Schabwerkzeuge und Abschläge aus Feuerstein entdeckt werden. Dazu viel gebrannter Feuerstein, der aus der umliegenden Steinpackung stammt. Solche Artefakte stellen jedoch ein gängiges Spektrum, angefangen von den früheren Jäger-Sammler-Gesellschaften bis hin zur Frühbronzezeit, dar und erlauben keine kulturelle Zuordnung.

Ein Steinhaufen im Moor gibt Rätsel auf

Im Frühjahr konnte bei geophysikalischen Messungen eine deutliche Anomalie im Bereich der Seestraße von Ahlen-Falkenberg entdeckt werden, bei der wir ein weiteres Großsteingrab vermuteten. Letzten Freitag begannen hier die Ausgrabungen, um zu klären, um was für eine Konstruktion es sich handeln mag. Tatsächlich gaben uns die dabei zu tage tretenden Steine Rätsel auf, da diese viel größer sind, als die der vom Ganggrab freigelegten Steinpackung. Nach viel Schufterei zeigt sich nun ein annähernd kreisrunder Steinhügel mit einem Durchmesser von ca. 4,5 m und einer Höhe von mindestens 50 cm. Nicht nur die Größe der Steine, auch die Tatsache, dass diese einen vollständigen Hügel bilden, deuten darauf hin, dass es sich hier um kein Großsteingrab handelt. Vielmehr lässt sich diese Konstruktion der nachfolgenden Einzelgrabkultur zuzuschreiben. In der kommenden Woche hoffen wir durch weitere Arbeiten das Rätsel lösen zu können.