Eines der Ziele des Projektes ist es die Landschaft zu rekonstruieren in der die Menschen der Trichterbecherkultur lebten. Dabei gibt es natürlich eine große Unschärfe. Wir wissen wie die Vegetation sich zusammensetzte, an welcher Stelle welcher Baum stand und wie genau die Zusammensetzung an einer bestimmten Stelle aussah werden wir nicht sagen können. Ebenso werden viele weitere Aspekte für uns nicht nachzuvollziehen sein. Um jedoch aufzeigen zu können wie es ausgesehen haben könnte, tragen wir unsere Daten zusammen und entwickeln Modelle. Eines dieser Modelle ist unten rechts zu sehen. Die Lage der Gräber, die Zusammensetzung der Vegetation, das Gelände und der Meeresarm sind hier auf Grundlage der gewonnen Daten dargestellt. Im Vergleich dazu ist auf der linken Seite ein Luftbild der heutigen Situation aus der identischen Perspektive.
Links: Der Blick von oben über die drei in Reihe liegenden Megalithgräber Rechts: Rekonstruktion der Landschaft auf Grundlage der im Forschungsprojekt gewonnenen und zusammengeführten Daten (Digitales Modell der Rekonstruktion: P. L. Frederiks)
Da das Interesse an der Archäologie im Allgemeinen sehr groß ist, möchten wir an dieser Stelle auf eine Expertenrunde hinweisen. Im Schloss Gottorf in Schleswig, S-H, finden neuerdings regelmäßige Treffen zwischen dem Museumsleiter Claus von Carnap-Bornheim und dem Steinzeitarchäologen Dr. Sönke Hartz statt, bei denen Ausstellungsstücke der Landessammlung vorgestellt sowie Aspekte rund um die steinzeitliche Lebensweise besprochen werden. Sehr anschaulich werden hier Einblicke in die Vergangenheit gegeben, die sich für jeden Interessierten lohnen.
Trotz des rauen Wetters haben wir gestern planmäßig mit unseren Grabungen begonnen. Mit dem Bagger erforschen wir Kulturschichtbereiche, die beim Bohren entdeckt werden konnten. Ob es sich hier um Siedlungsspuren handelt, gilt es zu prüfen. Bei Frost und eisigem Wind keine leichte Herausforderung, aber noch machbar. Sollten die Temperaturen jedoch weiter in den Gefrierkeller kriechen, oder es zu umfangreichem Schneefall kommen, müssen wir die Arbeiten vermutlich einstellen. Geplant ist eine Woche, um die Fläche im westlichen Ahlen-Falkenberg zu untersuchen.
Arbeiten bei Frost. Das abgezogene Planum muss gleich geputzt werden, da die Fläche schnell friert.
In den letzten Tagen sind wir wieder mit zwei Personen in der Region unterwegs, um die Moormächtigkeit zu erbohren und die noch fehlenden Daten für die Rekonstruktion der Oberfläche unter dem Moor zu gewinnen. Schon von Anfang an achten wir dabei natürlich auch auf potenzielle Siedlungsanzeiger, also Bodenveränderungen, die uns zeigen, dass an dieser Stelle mal eine menschliche Aktivität stattfand. Auf diesem Wege konnten wir schon ein paar Potenzialflächen ausmachen, doch vor ein paar Tagen haben wir einen Volltreffer gelandet. Bei einer Bohrung konnte unter mehr einem Meter Moor eine auffällige Schicht erbohrt werden – in dieser Schicht kam im Bohrstock auch eine urgeschichtliche Scherbe mit hoch. Nach weiteren Bohrungen könnte es sich um einen urgeschichtlichen Aktivitätsbereich handeln…. weitere Untersuchungen werden folgen!
Reste von urgeschichtlichen Aktivtäten unter über 1 m Moor
Das Jahr ist noch jung und unsere Planung weitesgehend abgeschlossen. Nachdem sich durch die Corona-Pandemie im letzten Jahr unsere Arbeiten etwas verzögert haben, steht für dieses Jahr einiges an. Im folgenden dazu eine kleine Übersicht:
Bohrungen – Januar/Februar
Kleinflächige Untersuchung eines Siedlungsbereiches – Feburar
Fortsetztende Ausgrabungen am Steinkistengrab sowie am Großsteingrab – Mitte Juni – Mitte August
Für die große Sommerkampagne werden wir versuchen wieder Führungen anzubieten, vermutlich mit Anzahlbegrenzung und natürlich unter Einhaltung der dann geltenden Corona-Regelungen. Wir hoffen zudem im Herbst wieder Infoveranstaltungen geben zu können, um über den Fortgang und Stand der Arbeiten zu informieren.
Wir freuen uns auf dieses Projektjahr und hoffen, unsere bisherigen Erkenntnisse abrunden zu können. Schön wäre es, wenn Sie uns dabei wieder begleiten.
Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu und wir möchten die Gelegnheit nutzen, uns zu bedanken. Trotz der Corona-Pandemie war es uns möglich ins Gelände zu gehen und unsere Arbeiten fortzusetzen. Auch unsere geologischen und botanischen Analysen konnten gut vorangetrieben werden, so dass wir erste Landschaftsmodellierungen für die Zeit der Jungsteinzeit vornehmen können. Das Gelingen ist hierbei durch zahlreiche Unterstützer von Seiten des Instituts, des Landkreises, sowie des Ortes Ahlen-Falkenberg zu verdanken. Danken möchten wir zudem den Studenten, die fleißg mit ausgegraben sowie allen Interessierten, die uns auf den Grabungen und bei Vorträgen besucht und zugehört haben. Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten, einen gesunden und guten Start ins neue Jahr und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.
Frohe Weihnachten und alles Gute für das Jahr 2021 – wir sagen Danke (Grafik: P. Frederiks).
Mit den Ausgrabungen im Herbst konnten wir nun insgesamt drei der zwölf Großsteingräber von Ahlen-Falkenberg untersuchen. Wie bereits im letzten Beitrag angedeutet zeichnen sich die Gräber durch eine einheitlich erscheinenden Architektur aus. Dazu zählen:
Ganggrab mit 4-5 Decksteinen
Eingang mittig und im Süden
Massive Rollsteinpackung um die Grabkammer
keine weiteren äußeren Strukturen (z.B. Sandhügel)
Damit wirken die Anlagen äußerlich sehr ähnlich, als folgten sie einem Schema. Im Detail werden jedoch kleinere Unterschiede erkennbar. So weist die Grabkammer vom „Möllergrab“ einen leichten Knick auf, was bei den sonst so geraden Kammerwandungen im Elbe-Weser-Dreieck ungewöhnlich erscheint. Auch variieren die Eingänge mit mal einem, mal zwei Trägersteinpaaren. Das gleiche ist bei der Zahl der Decksteine zu beobachten (4-5). Zu dem kommt, dass manche Architekturelemente bereits vor der Übermoorung weitesgehend verändert oder zerstört worden sind. So z.B. die zugefüllten Eingänge, so dass keine Rückschlüsse auf die einstige Verschlusskonstruktion zur Grabkammer mehr möglich sind. Auch die Art der Abdeckung ist ungeklärt, da sie sowohl beim „Möller-“ als auch beim „Wiesengrab“ fehlten. Beim erstgenannten fand sich lediglich eine kleinere flache Platte, die wohl einst dazugehörte.
Nichtsdesto weniger kann herausgestellt werden, dass es sich bei der Grabgruppe von Ahlen-Falkenberg um einen recht homogenen Architekturstil handelt, der hier angewandt wurde. In den Nachbarregionen von Wanna und Flögeln sieht das Bild deutlich heterogener aus (siehe z.B. Abb. Borgstedt), mit in Langbetten eingefassten Ganggräbern und erweiterten Dolmen, die hier das Architekturspektrum weiten. Diese Art der Gräberfeldzusammensetzung findet sich auch in den benachbarten Bundesländern. Hier wurden u.a. längere Entstehungszeiträume und auch Nutzung der Anlagen nachgewiesen.
Übersicht des Gräberfeldes von Borgstedt, S-H (Hage 2016, 65). Zu beachten sind die unterschiedlich gestalteten Anlagen.
Für die Gräber im Ahlen-Falkenberger Moor haben die Ausgrabungen bereits gezeigt, dass auch diese Anlagen länger genutzt wurden. Der einheitliche Baustil deutet allerdings darauf hin, dass diese Grabgruppe vermutlich in kurzer Zeit errichtet worden ist. Im Zuge der weiteren Ausgrabungen im kommenden Jahr sowie noch ausstehenden 14C-Datierungen werden wir hoffentlich bald mehr Licht in diese Sache bringen können.
Hage, F. 2016: Büdelsdorf / Borgstedt. Eine trichterbecherzeitliche Kleinregion. Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung 11. Bonn.
Wenn man so hört, dass Ausgrabungen im Moor durchgeführt werden, denkt man oft an Morast, Stecken bleiben und viel Aufwand. Tatsächlich erweisen sich die Untersuchungen im Ahlen-Falkenberger Moor aufgrund der trockenen Sommer bislang als recht unkompliziert, sofern man sich an den Jahreszeiten orientiert. Die abgesackten Torfschichten erlauben ein einfaches Arbeiten mit Schaufel und Spaten. Im Sommer und Herbst konnten sogar tiefgreifende Baggerarbeiten von bis zu 1,5 m Tiefe durchgeführt werden. Erst ab ca. 1,2 m Tiefe kommt etwas Wasser, das aus den Torfen heraussickert und ein erweitertes grabungstechnisches Know-how verlangt. Um das Wasser abzuleiten werden zum einen in den Ecken tiefere Schächte angelegt, in denen sich das Wasser sammeln und abgepumpt werden kann. Im Bereich der Grabkammer muss aber auf ein sensibleres Verfahren zurückgegriffen werden – in Form einer lokalen Grundwasserabsenkung, welche als einzelne Metallstange eingetrieben wird.
Grundwasserabsenkungsanlage zum Trockenlegen der Grabkammer.
Baggerarbeiten im Moor.
Im Gegensatz zu den Ausgrabungen finden die geomagnetischen Prospektionen im ganzen Jahr statt. Hier sind wir darauf angewiesen, dass die Witterung trocken bleibt, ansonsten werden die Wiesen schnell unpassierbar.
Das fertige 3D-Modell des Gefäßes aus der Grabkammer
Bei den Ausgrabungen haben wir einige besondere Fundstücke gemacht. Am Beispiel eines Keramikgefäßes aus der Grabkammer zeigen wir noch einmal, welche Stationen die Funde vom Finden bis zur Archivierung oder Ausstellung durchlaufen. Als erstes werden die Funde natürlich entdeckt und die genaue Position vermerkt und sie auch an dieser Stelle (in situ) zentimetergenau eingemessen und dokumentiert. Es wird dann versucht das Gefäß im Ganzen (im Block) zu bergen, was aber nicht in allen Fällen möglich ist. In diesem Falle werden die Scherben möglichst zusammenhängend und vorsichtig freipräpariert und entnommen und dann auf schnellstem Wege in die Restaurierungswerkstatt gebracht. Dort werden sie dann gewaschen, unter Umständen gefestigt und wieder zusammengesetzt. So wird das Gefäß wieder hergestellt und inventarisiert. Nun folgt die Fotosession beim Fotografen in der klassischen Ansichtsaufnahme, aber auch ganze Serien von Bildern werden gemacht, die das Gefäß vollständig abdecken. Daraus kann ein 3D Modell berechnet werden, so dass das Objekt nicht bei jedem Arbeitsschritt wieder aus der Kiste geholt werden muss, sonder esauch virtuell betrachtet werden kann.
Das Gefäß wird im Grab freipräpariert
Die geborgenen Scherben werden in die Restaurierungswerkstatt gebracht
Nach dem Reinigen und Zusammensetzen zeigt sich, dass das das Gefäß fast vollständig ist
Auf einem Drehteller wird das Gefäß in mehreren Runden fotografiert, um so die Datenbasis für die Erstelllung eines 3D-Modells zu gewinnen
Das Programm rekonstruiert die Kamerapositionen (blaue Rechtecke) und kann daraus das 3D-Gefäß berechnen
Als Ergebnis ist ein 3D-Modell des Objektes vorhanden, in dem die Details zu erkennen sind und in dem man genau messen kann
Das gut erhaltene Ganggrab im Drainagegraben bei Ahlen-Falkenberg reiht sich architektonisch in den ortstypischen Baustil ein. Neben der O-W-Ausrichtung und der umgebenden Rollsteinpackung besaß es einst vier Decksteine. Beim Anlegen des Grabes muss einer erntfernt worden sein – heute hat es nur noch drei Decksteine. Für uns ist das angesichts der Störung dann doch auch wieder ein glücklicher Umstand, denn so könnten wir die Grabkammer in diesem Bereich untersuchen. In der 2 m x 1,5 m freien Flächen galt es dann zunächst sechs Lagen Steine zu dokumentieren und herauszuwuchten, die beim Entfernen des Decksteins vermutlich in den Kammerraum gestürzt waren. In ca. 1,1 m Tiefe folgte dann der Bestattungshorizont. Eingebettet in einer Sandschicht befanden sich auf dem unebenen Kammerboden die Funde. Im Norden konnte ein Keramikgefäß mit Winkelbandverzierung fast vollständig geborgen werden. Das Gefäß war von einer Steinplatte abgedeckt gewesen, vereinzelte Scherben lagen im südlichen Kammerraum verstreut. Aus der Umgebung stammen drei Bernsteinperlen sowie drei Querschneider, die vermutlich dort zusammen niedergelgt worden waren. Im nördlichen Bereich der Grabkammer fanden sich außerdem zwei Feuersteinbeile und vereinzelte Keramikscherben. Insgesamt schient der Bestattungshorizont ungestört und durch die Sandschicht verschlossen worden zu sein.
Freilegung der verstürzten Steine innerhalb der Grabkammer.
Intaktes Zwickelmauerwerk am Schlussstein der Grabkammer.