Wo die Trichterbecherkultur lebte

Die Grabungen finden in diesen Tagen ihren Abschluss. In den letzten acht Wochen der Feldforschung konnten wir die einst hügelige Landschaft südlich der Ahlenrönne in drei freigelegten Bereichen untersuchen und fanden zahlreiche Spuren der einst hier lebenden Bevölkerung. Von Anfang an kam aus der bis zu 25 cm mächtigen Laufschicht unterhalb des Moores umfangreiches Scherbenmaterial zu Tage, dass jedoch überwiegend unverziert war und keine genaue Zuordnung zu einer Kultur erlaubte. Mit den Arbeiten im 2. Untersuchungsschnitt fanden sich allerdings schnell tiefstichverzierte Scherben, die für die Trichterbecherkultur sprechen. Dazu kamen mehrere Feuersteinwerkzeuge, wie Kratzer und Klingen, eine Schleifplatte aus Felsgestein, das zerbrochene Werkstück einer Bernsteinperle sowie ein Querschneider. Spuren einer einst hier lebenden Bevölkerung. Baukonstruktionen fanden sich leider nach wie vor nicht, dennoch spricht die Dichte an Fundmaterial für einen intensiv genutzten Platz.

Anfang dieser Woche begannen die Arbeiten im 3. Schnitt, welcher im Randbereich des zuvor erbohrten Siedlungsbereiches angelegt wurde. Hier ist der Laufhorizont deutlich geringer ausgeprägt, das Gelände fällt leicht zur Ahlenrönne ab. Dennoch konnten auch hier Scherben der Trichterbecherkultur gefunden werden.

Heute werden sämtliche offene Flächen wieder verfüllt und wir bereiten unsere Abreise aus dem Ahlenmoor vor.

Vom Deckstein zum Findling

Die Untersuchungen am Steinkistengrab haben vor zwei Wochen bereits ihren Höhepunkt erreicht. In dieser Woche kam ein Kran, um den zentralen Stein in der Mitte der Anlage zu heben. Nachdem sämtlich Feldsteine innerhalb des Steinkreises dokumentiert und entfernt sowie letzte Profile angelegt worden waren, konnte mit der Freilegung begonnen werden. Dabei zeigte sich, dass der Stein in der Mitte zum einen bereits in vergangener Zeit angegraben war und zum anderen wurde dieser immer größer. So groß, dass wir am Ende einen fast runden Koloss von gut 13t Gewicht vor uns liegen hatten. Nachdem unsere Geologin Martina Karle einen Blick in die Grube warf, war klar, dass es sich hier nicht um einen Deckstein handelt, sondern um einen natürlichen Findling, welcher mit der Saaleeiszeit vor über 126.000 Jahren nach Ahlen-Falkenberg kam. Ein Grab befindet sich nicht darunter. Vielmehr wurde vor über 4000 Jahren um diesen Stein ein Steinkreis gesetzt mit einem Durchlass im Osten. Weitere Konstruktionen verdeutlichen, dass diesem Platz eine Bedeutung zu kam, den wir Archäologen zumeist als kultisch ansprechen, dessen Funktion aber schwer fassbar ist. Das bislang fehlende Fundmaterial erschwert eine Interpretation. Dagegen erweitert sich das Spektrum der Konstruktionselemente. So konnte außerhalb des Steinkreises bereits ein Pfostenloch entdeckt werden. Diese Woche soll abschließend genutzt werden, um letzte Fragestellungen hierzu abzuschließen. Danach wird die Anlage wieder verfüllt. Die Bergung des Findling scheiterte leider am moorigen Untergrund. Geplant war es den Findling im MoorIZ im Außengelände auszustellen und hier Teile der Fundplatzkonstruktion nachzubauen. So verbleibt alles an Ort und Stelle und kann für die Zukunft bewahrt werden. Eine sensationelle Fundstelle, die verdeutlicht, dass es auch in der Archäologie immer wieder Überraschungen gibt.

Ausstellungseröffnung im MoorIZ

Von Anfang an begleitet und unterstützt uns das Moorinformationszentrum (MoorIZ) in Wanna bei unseren Arbeiten und bietet uns z.B. Platz für unsere Informationsveranstaltungen. In den letzten Monaten hat das MoorIZ eine kleine Ausstellung zu unserem Projekt erschaffen, in der auch Funde aus den aktuellen Grabungen – aber auch viele Informationen zum Thema und erste Landschaftsrekonstruktionen zu sehen sind. Ergänzt werden die Ausstellungsstücke durch Funde des Heimatmuseum Wanna. Ein weiteres Highlight ist ein FÖJ-Projekt des MoorIZ, bei dem die Besucher die Ausgrabungen eines Megalithgrabes unter dem Moor veranschaulicht bekommen. Weitere Informationen sind auf der Seite des MoorIZ zu finden.

Die Steine lichten sich

Am Steinkistengrab sind wir in den letzten zwei Wochen gut vorangekommen. Insgesamt wurden bereits über 1000 Steine abgetragen und der zuvor nur angedeutete Steinkreis mit dem vorgelagerten Steinpflaster ist nun deutlich sichtbar. Innerhalb der Strukturen liegt der Deckstein fast frei, so dass die Planungen für die Hebung desselben auf Hochtouren laufen. Wer sich die Steinkiste in diesem Zustand nochmal anschauen möchte, sollte sich beeilen.

Neues von der Siedlung (?)

Im Bereich der erhofften Siedlung sind wir in den letzten Tagen gut vorangekommen. Unter dem hellen Sandband folgte ein 20 cm mächtiger Horizont, gespickt mit Keramikscherben und Feuersteinartefakten. Dabei waren auch eine Öse aus Keramik, zwei Scherben mit Knubbenverzierungen sowie das Bruchstück eines allseits geschliffenen Feuersteinbeiles. Damit lässt sich die zeitliche Nutzung dieses Areals in die mittlere Jungsteinzeit verorten, möglicherweise sogar zeitgleich mit den Großsteingräbern. Was nach wie vor fehlt, sind Baustrukturen, die auf eine Nutzung als Siedlungsplatz schließen lassen.

Landschaftlich gesehen liegt der Fundplatz auf einer kleinen Kuppe, die heute im Gelände aufgrund der Moorüberprägung nicht mehr als solche erkennbar ist. Das Gelände fällt nach Norden, in Richtung des Großen Ahlen, etwa 4 m ab und endet in der jungsteinzeitlich gefluteten Ahlenrönne. Zur Rekonstruktion dieses lokalen Gebietes wurden aus den Profilen der Schnitte bereits Pollenprofile entnommen. Somit lässt sich eingrenzen, wielange das Gelände begehbar, bzw. als Wohnplatz nutzbar gewesen ist. Eine erste bodenkundliche Einschätzung der Sandschichten, die unter dem Torf folgen, deutet darauf hin, dass die Kuppe zeitweise frei von Vegetation und windanfällig war.

Die Arbeiten im ersten Schnitten können in der kommenden Woche beendet werden. Danach wandern wir in die nächste der vier Flächen.

Erstes Planum geschafft und weiter geht´s!

Letzte Woche konnten wir die Freilegungsarbeiten am Steinkistengrab abschließen, nachdem wir 1,5 Wochen hunderte Steine geschrubbt, die Zwischenräume freigekratzt und mit dem Staubsauger sauber gemacht haben. Nach der Dokumentation, zu der auch SFM-Aufnahmen für eine 3-D-Darstellung gehörten, ging es am Freitag weiter. In den folgenden Wochen nehmen wir nun von oben Lage für Lage ab und es heißt dann wieder schrubben, kratzen, pinseln, staubsaugen, dokumentieren, Steine weg, schrubben, ….

Durch die umfassende Freilegung zeichnen sich nun verschiedene Konstruktionselemente ab, die das Steinkistengrab gliedern. So befindet sich um den bereits erkennbaren großen Deckstein eine massive Steinpackung, die von größeren Steinen eingefasst wird. Davor liegt eine bis zu 50 cm breite Steinpflasterung aus Feldsteinen, die den Steinkreis umgibt. Zahlreiche, verlagerte Steine überlagern an vielen Stellen noch die Strukturen, welche im Zuge der weiteren Ausgrabungen hoffentlich deutlicher erkennbar werden. Es bleibt spannend.

Gefunden?!?

Parallel zu den Freilegungsarbeiten am Steinkistengrab begannen am Montag auch die Untersuchungen im möglichen Siedlungsbereich. Einige hundert Meter südlich vom MoorIZ fanden unsere Grabungstechniker im Januar Hinweise auf einen möglichen Wohnbereich, den wir die kommenden Wochen nun genauer unter die Lupe nehmen. In vier großen Schnitten erfolgte bereits das Ausbaggern der Torfschichten, die Schnitte sollen dann nacheinander weiter per Hand ausgegraben werden.

Mit einem Bagger werden die Schnitte angelegt und die Torfschichten bis kanpp oberhalb des darunterfolgenden Sandes ausgehoben.

Nachdem im Schnitt 1 der erste Abtrag am Freitag geschafft war, wird unter den Torfschichten großflächig heller Sand sichtbar – gespickt mit Feuersteinfunden, wie Abschläge und Trümmer, aber auch eine Klinge, zwei Kerne sowie zwei Schaber konnten bereits gefunden werden. Und noch viel wichtiger: Keramik, der Menschenanzeiger schlechthin. Aufgrund der Feuchtigkeit sind die überwiegend kleinen Bruchstücke schlecht erhalten. Auch konnten wir bislang keine verzierten Stücke finden, so dass eine zeitliche Einordnung der Fundplatzes bis dato nicht möglich ist. Anhand der Magerung der Tonware ist jedoch klar, dass es sich um urgeschichtliche Keramik handelt.

Was nun fehlt sind die Befunde – Strukturen wie Pfostenlöcher und Gruben, welche eine sichere Einordnung als Siedlung erlauben würden. Wir nehmen an, dass unterhalb des hellen Sandes möglicherweise diese Befunde zu finden sein werden und sind gespannt auf die nächsten Abträge.

Die letzten Bereiche werden ausgegraben und geputzt, dann ist der erste Abtrag geschafft.

Führungen im Sommer

Auch in diesem Jahr wollen wir die Möglichkeit bieten, dass alle Interessierten einen Blick auf unsere Grabung werfen können. Dabei können Sie an zwei verschiedenen Führungen teilnehmen.

Für alle Führungen muss sich vorher angemeldet werden. Durch die aktuellen Verordnungen und Vorgaben ist der organisatorische Aufwand für die Führungen relativ hoch. Daher haben wir uns entschlossen für die Führungen Tickets auszugeben, diese sind kostenfrei über die angegebenen Links zu buchen. Bitte drucken Sie die Tickets aus oder bringen Sie diese digital mit. Ohne Tickets ist die Teilnahme an der Führung nicht möglich.

Besichtigung des Steinkistengrabes

zu den Tickets

Nach einer kurzen Einführung erhalten die Besucher die Möglichkeit die aktuellen archäologischen Arbeiten am Grab zu besichtigen.

Mittwoch, 30. Juni 2021 11:00 Uhr
Mittwoch, 7. Juli 2021 11:00 Uhr
Mittwoch, 14. Juli 2021 11:00 Uhr
Mittwoch, 21. Juli 2021 11:00 Uhr
Mittwoch, 28. Juli 2021 11:00 Uhr
Mittwoch, 4. August 2021 11:00 Uhr
Mittwoch, 11. August 2021 11:00 Uhr

Führung und Besichtigung des Steinkistengrabes

Zu den Tickets

Bei dieser Tour wird es vorab eine ausführliche Einführung zum laufenden Projekt „Relikte im Moor“ geben. Danach erfolgt die Besichtigung des Steinkistengrabes, welches derzeit archäologisch untersucht wird.

Mittwoch, 30. Juni 2021 15:00 Uhr
Mittwoch, 14. Juli 2021 15:00 Uhr
Mittwoch, 28. Juli 2021 15:00 Uhr
Mittwoch, 4. August 2021 15:00 Uhr

Wieder ans Licht gebracht

Bereits letzte Woche haben unsere Grabungstechniker angefangen, das Steinkistengrab wieder aufzubaggern und den Schnitt von 2019 freizulegen, der dabei noch etwas vergrößert wurde. Heute begann die Feinarbeit – mit vorerst fünf Studenten werden die einzelnen Steine freigeschaufelt und gesäubert, um den Ausgangszustand von 2019 zu erreichen. Der große Deckstein liegt bereits wieder sichtbar im Schnitt. Im Laufe der Wochen soll er vollständig freigelegt und die umgebenden Steinstrukturen erforscht werden. Danach folgt die Bergung des Steines und wir werden endlich wissen, was er verbirgt.

Abschlussarbeit geschafft!

Seit Beginn des Projektes hat uns Pière Leon Frederiks, Student an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, begleitet und mit seiner Tatkraft und seinem Können als Bohrprofi unterstützt. Im Laufe der Zeit hat sich Pière viel Wissen über die Moorentstehung und – entwicklung angeeignet und zusätzlich die 3D-Modellierungen der prähistorischen Landschaft vorgenommen. Den westlichen Untersuchungsbereich von Ahlen-Falkenberg nahm er als Grundlage für seine Magisterarbeit mit dem Titel „Rekonstruktion einer übermoorten prähistorischen Landschaft bei Wanna, Ldkr. Cuxhaven“, die er letzte Woche nun erfolgreich verteidigt hat. Wir gratulieren Dir aufs Herzlichste zu diesem Meilenstein, danken für Deine wertvolle Unterstützung im Projekt und für das viele, was du uns beibringen konntest!

Rekonstruktion eines Ganggrabes im Ahlen-Falkenberger Moor zum Zeitpunkt der Erbauung vor über 5000 Jahren (Grafik: P. Frederiks, NIhK).