Im Rahmen des Projektes werden nicht nur die Megalithgräber
zu Teilen freigelegt und dokumentiert. Seit Beginn der Ausgrabungsarbeiten
werden von zwei Teams mit wechselnden Mannschaften, bestehend aus je einem Teamleiter
und zwei Studenten, Handbohrungen durchgeführt. Ein drittes Team ist diese
Woche dazugestoßen. Die Bohrkerne liefern Informationen über die Schichtabfolge
und -stärke des Ahlen-Falkenberger Moores, welche zur Rekonstruktion der
jungsteilzeitlichen Oberfläche dienen. Dies ermöglicht einen Einblick in die
Entwicklung des Moores und geht zurück bis zu seiner Entstehung – auf die
pleistozäne Geest. Die Geest besteht vorwiegend aus sandigen Schichten und
unterscheidet sich daher deutlich von den unterschiedlichen Torfen des Moores.
Die Bohrungen werden in einem annähernd 100 x 100 m Raster angelegt.
Täglich werden trotz der anhaltenden Hitzewelle dem Moor neue Informationen entlockt, wodurch sich das Netz von Höhenwerten im Untersuchungsgebiet verdichtet.
Verfasst von Pière Frederiks und Bianca Wolf – Masterstudenten der Landschaftarchäologie an der FU und HTW Berlin – Bohrteam Nr. 2
Letzte Woche waren die ersten 2 Abträge geschafft und 40 cm Oberfläche am Großsteingrab abgetragen. Die bereits erwähnte Steinpackung ist nun als massives Band rund um die Decksteine erkennbar, außer in den gestörten Bereichen. Im angrenzenden Geoschnitt konnte der Befund bis auf eine Tiefe von 1,2 m ausgegraben werden. Die Steine fußen direkt auf der ehemaligen eiszeitlichen Oberfläche. So einen einzigartigen Befund sieht man selten, da die Steine häufig abgetragen werden, so dass die heute freistehenden Großsteingräber auf den Geestinseln ohne Außenkonstruktion erhalten sind.
Außerdem spannend gestaltet sich die Anzahl der Decksteine: Zwischen den Zwei erhaltenen, konnte ein Dritter entdeckt werden, der in die Grabkammer gerutscht ist. Unmittelbar neben dem gestörten Bereich zeigten sich zudem zwei weitere große Steine, die dort in einer Grube verklappt worden waren. Es ist noch zu klären, ob es sich hier um einen zerbrochenen großen Deckstein, oder zwei kleine Decksteine handelt. Unsere Geologin Martina Karle wird beim nächsten Besuch dieser Frage nachgehen. Auch werden wir Licht ins dunkel bringen können, sobald der Eingangsbereich freigelegt ist. Dieser Aufgabe gehen wir dieser Woche nach sowie das weitere Abtiefen im gestörten Bereich.
Gestern starteten die Ausgrabungen am Großsteingrab südlich der Seestraße. Vom Grab waren obertägig bislang nur zwei Decksteine erkennbar, die aus dem Moor schauten. Zwischen den Steinen befindet sich eine Lücke, die einen dritten, fehlenden Deckstein bezeugt. Nun haben wir bereits 20 cm vom Oberboden entfernt und die Steine freigelegt. Dabei konnten zahlreiche kleinere Feldsteine entdeckt werden, welche die Decksteine umschließen. Sie bilden eine Steinpackung, die die Grabkammer wie einen Mantel umgibt und abdichtet.
Westlich der Decksteinreihe zeichnet sich zudem eine Störung ab, die auf einen weiteren entfernten Deckstein hinweist, so dass hier ein Ganggrab mit ehemals vier Decksteinen zu vermuten ist. In den nächsten Tagen soll der Eingangsbereich sowie die topografische Lage des Grabes genauer untersucht werden.
Gestern hat die erste große Grabung in unserem Projekt begonnen. Unser Team ist jetzt für vier Wochen im Moor unterwegs, legt Bohrungen an und untersucht ein Megalithgrab. Wir sind gespannt auf die neuen Entdeckungen auf diesen einzigartigen Fundstellen.
Ab dem 15. Juli werden wir zusammen mit Studenten der Freien Universität Berlin, der Universität Bremen, der Christan-Albrechts-Universität zu Kiel und der FH Saxion aus Deventer in den Niederlanden für vier Wochen zwischen dem Großen Ahlen und dem Dahlemer See unterwegs sein. Drei Teams werden Handbohrungen im gesamten Arbeitsgebiet vornehmen um Informationen über die Oberfläche während der Jungsteinzeit zu gewinnen. Gleichzeitig werden wir einige der übermoorten Gräber oberflächlich freilegen um die Konstruktionen und die Grabarten genau klären zu können. Und zu guter letzt werden wir direkt an einem Grab eine Ausgrabung durchführen. Sie sind herzlich Eingeladen uns dort zu besuchen. Die Führungen finden immer Donnerstags um 15:00 Uhr statt. Der Treffpunkt ist der Parkplatz am südlichen Ende der Seestraße.
Mit dem Neolithisierungsprozess im Norden Deutschlands ab etwa 4000 v. Chr. wird eine neue Gesellschaftsstruktur fassbar, die als Trichterbecherkultur bekannt ist. Abgeleitet von den dabei auftretenden Keramikgefäßen, ist mit dieser Kultur der Einzug von Ackerbau und Viehzucht und damit die Änderung der Lebensweise verknüpft. Im Elbe-Weser-Dreieck ist dieser Prozess weites gehend unerforscht, da bis heute kaum Hinterlassenschaften aus den ersten Jahrhunderten des vierten Jahrtausends bekannt sind. Erst ab etwa 3300 v.Chr. bis in das 3. Jahrtausend hinein wird das Bild für die Archäologen klarer. Zum einen konnten größere Siedlungen, wie Flögeln und Lavenstedt, entdeckt und untersucht werden, die aus dieser Zeit stammen. Zum anderen wurden nun die Großsteingräber errichtet, die noch heute das Landschaftsbild von Nordeuropa prägen. Diese Riesengräber, in der Fachsprache auch Megalithgräber genannt, wurden allein durch Mannes- und Tierkraft gebaut. In der Architektur gibt es signifikante Unterschiede, von kleinen Kammern (auch Urdolmen genannt), bis hin zu 130 m langen Hünenbetten, was z.T. mit einer zeitlichen Entwicklung zu begründen ist. Andererseits zeigt sich aber auch, dass bestimmten Bautypen ein räumlich begrenzter Verbreitungsschwerpunkt zukommt. Im Untersuchungsraum des Projektes überwiegen die sogenannten Ganggräber. Das sind längliche Anlagen mit 3-7 Decksteinen, an deren Längsseite, mittig, ein schmaler Zugang liegt. Es wird davon ausgegangen, dass diese Gräber als Bestattungsort für die Familien und Gemeinschaften mehrfach genutzt wurden. Durch verschiedene Ausgrabungen in Norddeutschland in den letzten Jahren konnten weitreichende Erkenntnisse zur Nutzungsgeschichte und Grabentwicklung gewonnen werden, die für das Elbe-Weser-Dreieck noch fehlen. Mit den geplanten ersten Untersuchungen an den Gräbern im Ahlen-Falkenberger Moor im Sommer diesen Jahres soll dies geändert werden.
Ganggrab von Flögeln, Zeichnung von Sprockhoff (1975), Nr. 609
Die mächtigen Grabstätten der Trichterbecherkultur wurden in der Zeit etwa zwischen 3600-3200 v. Chr. zu Tausenden in Nordeuropa errichtet. Auch in der Gemeinde Wanna sind heute noch eine Vielzahl dieser Anlagen erhalten – derzeit sind es 18. Die Gräber auf den Ahlener Geestinseln (Kronskark, Karlskirche) sowie das Großsteingrab am Postweg wurden bereits im 18. oder 19. Jahrhundert untersucht und ausgegraben, Unterlagen dazu existieren nicht. Bis auf das Grab vom Hohen Kopf, das 1963 für den Sandabbau abgetragen und vor der Schule in Wanna wieder aufgebaut worden ist, liegen sie heute frei im Gelände und vermitteln den Besuchern die imposante Erscheinung dieser Gräber. Alle weiteren Großsteingräber liegen im Moor und sind erst im letzten Jahrhundert bekannt geworden. Eine Sichtung und erste Aufnahme erfolgte in den 30er Jahren durch Ernst Sprockhoff, der es sich damals zur Aufgabe machte, alle bekannten Großsteingräber Norddeutschlands zu kartieren und zu beschreiben. Bei den Gräbern von Wanna erhielt er dabei kräftige Unterstützung durch dem späteren Heimatpfleger Konrad Schäfer, der seine Aufzeichnungen zur Verfügung stellte. Er war es auch, der die Anlagen erstmal katalogisierte und Beschreibungen, Vermessungen und Fotografien anfertigte. Bei den Ausgrabungen am Hohen Kopf assistierte er den Wissenschaftlern vom Institut für Marschen- und Wurtenforschung. Mit seinem Nachfolger Hans Aust blieb das Interesse an den trichterbecherzeitlichen Hinterlassenschaften erhalten. Er meldete in den 1972 ein weiteres Grab bei Ahlen-Falkenberg und fügte es in das Inventar der Landkreisarchäologie ein. Im Rahmen der geomagnetischen Messungen wurden zu Beginn des Jahres zwei weitere Gräber identifiziert.
Abgesehen von den Untersuchungen vom „Hohen Kopf“, bei dem
es sich um ein bereits stark gestörtes Grab handelte, sind die Anlagen weites
gehend unerforscht. An den freigelegten Großsteingräbern können der Grabtyp (Ganggräber) und die Maße bestimmt werden. Dies ist bei
den im Moor liegenden Anlagen nur bedingt möglich – sofern Decksteine
herausschauen, können die Ausrichtung des Grabes und der Typ ermittelt werden.
Ausgrabungen in weiten Bereichen Norddeutschlands haben in den letzten Jahren
erbracht, dass die Megalithgräber der Trichterbecherkultur häufig für mehrere
Jahrhunderte genutzt wurden und dabei sowohl äußerlich als auch im Inneren
verändert wurden. Mit modernen Datierungsmethoden ist es sogar möglich,
verschiedene Nutzungshorizonte, von der Errichtung bis zur Aufgabe des Grabes,
zu bestimmen. Solche Untersuchungen fehlen bislang im Elbe-Weser-Dreieck. Da es
sich bei den im Moor liegenden Anlagen von Wanna um vermutlich ungestörte
Gräber handelt, sind hier weitreichende Erkenntnisse zum Grabbau und zur
–entwicklung zu erwarten. Möglichweise lassen sich folgende Fragen beantworten:
Wann und wo wurden die Gräber errichtet? Wie aufwendig war der Grabbau und wie
viele Menschen müssten daran mitgewirkt haben? Konnte dies von einer
Gemeinschaft gestemmt worden sein, oder kamen mehrere Gemeinschaften zusammen?
Wie lange wurde das Grab genutzt und in welcher Form? Gibt es Unterschiede im
Grabbau innerhalb der Grabgruppe von Wanna? Damit lassen sich wichtige Rückschlüsse auf
die Gesellschaftsstruktur der Trichterbecherkultur ziehen, die für das
Elbe-Weser-Dreieck noch ausstehen.
Vor etwa 6000 Jahren war es in Nordeuropa soweit, dass sich
die Lebensweise der Menschen radikal umstellte – aus Jäger und Sammlern wurden
Bauern. In der Fachwelt spricht man bei diesem Prozess von Neolithisierung, der
den Übergang von der Mittel- zur Jungsteinzeit markiert. Dieser Vorgang dauerte
sehr lang und es wird in der Forschung immer noch diskutiert, wie sich dieser
vollzogen hat. In Mitteldeutschland lebten die Gesellschaften bereits seit über
1000 Jahren von Ackerbau und Viehzucht. Es wird angenommen, dass durch enge
Kontakte zwischen den Menschen in Mittel- und Norddeutschland diese Lebensweise
stückweise nach und nach übernommen wurde. Mit der Entwicklung des Pflugs,
damals aus Holz gebaut, stand dem Getreideanbau nichts mehr im Wege. Hinweise
auf erste Anpflanzungen und -nutzung liegen aus zahlreichen See- und
Moorprofilen Norddeutschlands vor, in denen Pollen von Getreide ab etwa
4000/3900 v. Chr. entdeckt wurden. Im selben Zuge wurden umfangreich Wälder
gerodet, um die Böden nutzbar zu machen und Flächen für Siedlungsplätze zu
schaffen. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten domestizierten Tiere, wie
Rind und Schwein, deren Knochen in ausgegrabenen Siedlungen gefunden wurden.
Einhergehend mit dieser Entwicklung stellten die Menschen in großem Umfang
Keramikgefäße her, die sie zum Kochen und Aufbewahren nutzten. Keramik gab es
bereits bei den Jäger- und Sammlern, jedoch weist diese eine geringe
Formvielfalt und zumeist schlechte Qualität auf. In der beginnenden
Jungsteinzeit entwickelte sich nun ein breites Formenspektrum mit aufwendigen
Verzierungen. Dabei gab es eine Gefäßform, die überall in Norddeutschland, aber
auch in Dänemark, Schweden und Teilen von Polen und den Niederlanden, auftrat –
der Trichterbecher. Aus diesem Grund spricht man bei den ersten Bauern von der
Trichterbecherkultur. Typisch für diese Kultur waren außerdem polierte
Feuersteinbeile und querschneidige Pfeilspitzen. Etwa um 3600 v. Chr. war die
Neolithisierung in Norddeutschland abgeschlossen und feste
Gesellschaftsstrukturen entwickelten sich. In dieser Zeit fingen die Menschen
auch an, Großsteingräber für ihre Toten zu errichten.
Rekonstruktion der Siedlungslandschaft im Oldenburger Graben (S-H, in Brozio 2016), Zeichnung: S. Beyer (Univ. Kiel)
Der Neolithisierungsprozess im Elbe-Weser-Dreieck ist bis
heute weites gehend unbekannt. Aus den benachbarten Regionen westlich der Weser
und vor allem Schleswig-Holsteins liegen bereits umfangreiche Studien hierzu
vor – das kleine Gebiet dazwischen stellt jedoch eine Forschungslücke dar. Dies
ist besonders bedauernswert, da es sich hier um ein Überlappungsbereich
unterschiedlicher später Jäger-Sammler-Kulturen handelt – im Osten die Ertebølle
Kultur, im Westen die Swifterbant Kultur. Auch in der Jungsteinzeit bleibt
diese besondere Rolle erhalten, als dass hier ein Interaktionsraum zwischen der
Nord- und Westgruppe der Trichterbecherkultur und der Altmärkischen Gruppe aus
dem Süden besteht.
Dieses Forschungsdesiderat ist mit der Landschaftsgenese im
Elbe-Weser-Dreieck zu begründen. Auf den Geestböden bleiben steinzeitliche
Befunde, wie Verfärbungen von Gruben oder Pfostenlöchern, kaum erhalten, da in
den sandigen Böden die vom Menschen eingebrachten, humos angereicherten Erden
vom Regen ausgewaschen werden. In den Marschen werden, durch den ständigen
Einfluss des Wassers, die Siedlungsschichten verlagert und überdeckt. Das meiste
Potenzial birgt sich in den Mooren, die teilweise erst im Verlauf, oder nach
der Jungsteinzeit die trichterbecherzeitlichen Hinterlassenschaften
überlagerten. Mit den Untersuchungen im Rahmen des Projektes soll nun die
Zeitkapsel vom Ahlen-Falkenberger Moor geöffnet und neue Einblicke in die
Entwicklung der Trichterbecherkultur ermöglichen.