Diese Woche war es endlich soweit – wir haben die Decksteine von der Grabkammer abgenommen. Mit Hilfe eines Baggers konnte Stein um Stein sicher geborgen werden. Die Decksteine liegen nun an der Grabungsfläche mit der Unterseite zuoberst, damit auch diese Seiten ausgiebig fotografiert und für eine 3D-Modellierung erfasst werden konnten. Nun liegt die noch mit Moor gefüllte Grabkammer frei. In den folgenden Tagen wird die Kammer nach und nach freigelegt. Wir hoffen im Laufe der kommenden Woche die ersten Schichten des Bestattungshorizontes zu erreichen, um mit den eDNA-Beprobungen zu beginnen.
Damit wir über Nacht oder am Wochenende keine Überraschungen erleben, wurde diese Woche ein Kameraturm installiert, der die Ausgrabung zu den nicht besetzten Zeiten überwacht.
Das Grab unmittelbar vor der Decksteinhebung.
Einer nach dem anderen wurden die Decksteine mit Hilfe eines Baggers abgehoben.
Die freigelegte Grabkammer war bis oben mit Moor verfüllt.
Die glatten Unterseiten liegen nun zu oberst, um fotografiert werden zu können. Vorher wurde ausgiebig geputzt.
Die Ausgrabungsfläche wird außerhalb der Arbeitszeiten gut überwacht.
Wie bereits bekannt, ist das Ganggrab von Wanna, FStNr. 1591 von einer Steinpackung umgeben. Im Laufe der Woche hat sich jedoch gezeigt, dass diese nicht nur aus kompakt gelegten Steinen besteht, wie wir es 2019 am Seegrab feststellen konnten, sondern aus zwei einzelenen Steinpackungen. Dazwischen fanden wir eine etwa 20 cm mächtige Sandlage, die beide Bereiche trennt. Die äußere Konstruktion ist damit deutlich komplexer, als bisher angenommen. Spannend ist, dass die äußere Steinpackung nicht so tief reicht, wie die Innere. In dem darunter liegenden Sand fanden wir zudem an mehreren Stellen Keramikkonzentrationen, die vermutlich zu einzelnen dort platzierten Gefäßen gehören. Somit konnten wir bereits die ersten Deponierungsbereiche um das Grab lokalisieren.
Unmittelbar um die Grabkammer wurde eine steil angelegte Steinpackung aufgertragen. Davor befinden sich einzelne Keramikscherbenkonzentrationen.Diese Scherben wurden bereits geborgen und sind mit Bauchfransen verziert. Vermutlich gehören sie zu einem typischen Trichterbechergefäß.
Auch wir hatten in den letzten Tag mit viel Wasser und Regenwetter zu kämpfen. Nachdem sich am Mittwoch über 40 l nachts aus den Wolken ergossen haben, fanden wir unseren Schnitt am nächsten Morgen vollständig unter Wasser gesetzt vor. Somit hieß es zunächst pumpen, pumpen, pumpen, bevor die Ausgrabungen weitergehen konnten. Dank einer Leihgabe der Kreisarchäologie in Bad Bederkesa war es möglich die Arbeiten anschließend unter einem Zelt fortzusetzen. Insgesamt waren wir die letzten Tage sehr eingeschränkt in unseren Arbeitsmöglichkeiten und sind leider nicht so gut vorangekommen wie geplant. Dennoch konnten wir neue spannende Erkenntnisse zum Aufbau der äußeren Grabkonstruktion gewinnen sowie erste Scherbenkonzentrationen erfassen. Mehr dazu wird in den kommenden Tagen berichtet.
Bis zu 25 cm hoch stand am 31.7. das Wasser in der Grabungsfläche.Pumpen ist angesagt.Danach geht es unterm Zelt weiter.
Derzeit sind wir dabei, rund um das Großsteingrab die freigelegte Oberfläche abzutiefen, um auf den jungsteinzeitlichen Laufhorizont zu kommen. Wir hoffen Hinweise auf Deponierungsbereiche oder Spuren von Aktivitäten, die sich außerhalb des Grabes ereignet haben könnten, zu finden. Mittlerweile haben wir an mehreren Stellen am Fuße der Steinpackung Keramikscherben gefunden. Anhand der Machart lassen sich die Scherben gut der Jungsteinzeit zuordnen, Verzierungen fehlen aber bislang. Die Scherben sind relativ klein und verrundet, was darauf hindeutet, dass es sich hier um Funde handelt, die in die Oberfläche eingetreten wurden und nicht unbedingt auf Deponierungen schließen lassen. Im Laufe der Woche soll der Abtrag rund um die Hälfte des Grabes abgeschlossen sein. Danach wird die Fläche geputzt, damit Verfärbungen gut erkennbar werden.
Während die Scherbe im oberen Bereich deutlich erkennbar ist, ist die in der linken unteren Ecke weniger klar sichtbar. Aufgrund der Feuchtigkeit sind die Scherben recht weich und für ungeübte Augen leicht zu übersehen.Auch am Hügelfuß kommen nun gehäuft Scherben, wie diese mit Bauchfransen verzierte, zu Tage.
Nach zwei Wochen schaufeln, Steine freilegen und putzen steht das Großsteingrab in Ahlen-Falkenberg nach über 3000 Jahren wieder offen in der Landschaft. Dabei wird deutlich, dass das Grab auf einer kleiner Erhebung liegt, die hier vermutlich aufgeschüttet wurde. Insgesamt zeigt sich durch die massive Steinpackung und die herausschauenden Decksteine eine imposante Erscheinung. In der dritten Woche fangen wir nun an, Teile des Grabes abzutragen und auszugraben. Zunächst wird ein Viertel der Steinpackung abgetragen, um den Aufbau dieser Konstruktion zu untersuchen. Dabei konnten wir bereits erste spannende Erkenntnisse gewinnen. So ließ sich rund um einen freigelegten Deckstein eine tonige Schicht feststellen, die mit zahlreichen Schottersteinen durchsetzt ist. Das Material ist zur Abdeckung des Bereiches zwischen Träger- und Decksteinen der Grabkammer aufgetragen worden. Bereits 2020 konnten wir diese Schicht beobachten, jedoch nur kleinflächig. Auch lässt sich nun belegen, dass die Abdichtungsschicht in die grabumgebende Steinpackung intergriert ist, was für einen zeitgleichen Auftrag spricht.
Rund um den Deckstein zeigt sich eine tonige, orange-bräunliche Schicht, die zur Abdichtung der Grabkammer aufgetragen wurde.
Die ersten anderthalb Wochen unserer acht-wöchigen Grabungskampagne in diesem Jahr sind bereits um und wir haben viel geschafft. Nachdem der Bagger den 10 x 20 m großen Schnitt in weiten Teilen ausgehoben hat, war für den Rest Muskelkraft gefragt. Mit Schaufel wurde der restliche Torf bis zum darunter folgenden Sand, der ehemlaigen Geländeoberfläche, abgetragen. Auch auf der grabumgebenden Steinpackung lag noch reichlich Moorsubstrat aus, das mit Kellen entfernt wurde. Nun liegt das Grab in seiner monumentalen Bauweise wieder frei und kann bei der heutigen Führung besichtigt werden. Gestern konnte der erste Bereich geputzt und dokumentiert werden. Bis zum Ende der Woche sollen die Arbeiten für das erste Planum abgeschlossen sein, um danach mit dem Abtrag der Steinpackung in einem kleinen Bereich fortzufahren.
Der restliche Torf wird mit der Schaufel abgetragen.Schritt für Schritt ans Licht gebracht – Freilegung des Großsteingrabes.Mit Hilfe eines Tragetuches werden lose Steine aus dem Schnitt gehoben. Auch die Staubsauger kommen wieder zur Anwendung bei der Freilegung der Steinpackung
Wie auch im letzten Projekt bieten wir wöchentlich die Möglichkeit, unsere Ausgrabungen zu besuchen und den Fortgang der Arbeiten hautnah mitzuerleben. Die Führungen finden jeweils mittwochs um 15 Uhr statt. Da die Grabungsfläche etwas Abseits des Dorfkerns von Ahlen-Falkenberg liegt (800 m), beginnt die Führung auf der Silofläche an der Seestraße, gegenüber der Hausnr. 14. Hier können auch Pkws abgestellt werden. Der Weg zur Grabungsfläche kann nur zu Fuß, ggf. mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, das Befahren des Landwirtschaftsweges ist nicht gestattet. Wir bitten auch vom Parken entlang der Seestraße abzusehen, damit die landwirtschaftlichen Maschinen der Ortschaft den Weg passieren können.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Lageplan zum Treffpunkt für die Führungen sowie zur Abstellmöglichkeit von Fahrzeugen. Nach einer Einführung zum Thema können die Arbeiten an der Ausgrabungsstelle besichtig werden.
Heute haben wir unsere Ausgrabungen am Ganggrab von Wanna, FStNr. 1591 wieder aufgenommen. Begleitet von viel Regen konnte die Hälfte der Grabungsfläche mit einem Bagger bereits ausgehoben werden, wobei die erste Überraschung zu Tage trat. Unmittelbar an der Grabkammer fand sich der nordöstliche Deckstein, der vermutlich beim Anlegen des Drainagegrabens vor 100 Jahren hierhin verlagert wurde. Somit ist die Grabkammerabdeckung nun vollständig und kann durch Fotoaufnahmen zur 3D-Modellierung rekonstruiert werden.
Das Abgraben der Moorschichten übernimmt in dieser Kampagne ein Bagger für uns.Unser Grabungstechniker Dirk Dallaserra begutachtet den teilweise bereits freiegelegten Deckstein.
Im Rahmen des Projektes „Zwischen den Flüssen und gegen den Strom“ wollen wir das Großsteingrab weitestgehend vollständig untersuchen. Dazu sind zwei Sommergrabungen von je acht Wochen vorgesehen. In diesem Jahr untersuchen wir die Grabkammer sowie den nördlichen Bereich nach Deponierungen. Unsere Grabungsmanschaft besteht dabei aus drei Mitarbeitern des NIhK sowie Studierenden der Universiäten und Fachhochschulen Oldenburg, Leiden, Deventer und Groningen, sowie einem Ehrenamtler.
Im Zuge geomagnetischer Messungen entdeckten wir 2019 eine im Durchmesser 6 m große Anomalie, die südlich des Kleinen Ahlen vollständig vom Moor abgedeckt verborgen lag. Nach einer ersten Untersuchung im selben Jahr war zunächst ein massiver „Steinhaufen“ erkennbar, der sich 2021 als ein einmaliger Grabungsbefund entpuppte. Das Zentrum bildet ein enormer Findling von etwa 18t, der in der letzten Eiszeit hier abgelagert wurde. Dieser war unmittelbar drum herum von größeren Steinen umfasst, ein weiterer Steinkreis befand sich etwa in knapp 1m Abstand dazu. Im Osten und Westen weist der Steinkreis Öffnungen auf, die durch größere Steine markiert sind. An der Ostseite des zentralen Findlings war zudem eine einzelne Steinplatte aufrecht gestellt, davor befand sich eine halbrunde Steinpackung, die eine flache Grube überdeckte. Zu guter Letzt war außerhalb des Steinkreises noch ein Steinpflaster von etwa 1,2 m Breite verlegt worden. Für diese komplexe Baustruktur liegen aus dem nordeuropäischen Raum keine Vergleiche vor. Eine zeitliche Einordnung lässt sich anhand einer geborgenen Pfeilspitze und 14-C-Datierungen in das Spätneolithikum um 1900 v. Chr. vornehmen.
Die 2019 entdeckte Anomalie im Geomagnetikbild war der erste Hinweis auf eine umfangreiche Steinkonstruktion, die bis dahin unerkannt im Moor verborgen lag.
Zunächst zeigte sich ein etwa 1 m hoher „Steinhaufen“.
Nachdem fünf Lagen Steine abgetragen waren, wurden die darunter liegenden Befunde einer komplexen Steinkonstruktion erkennbar.
Der östliche Durchlass mit Blick auf die Stele und die davor angelegte halbrunde Steinpackung, die hier bereits zur Hälfte ausgegraben ist.
Freilegung des zentralen Findlings, bei zunächst vermutet wurde, dass es sich um ein Deckstein handelt.
Eine geflügelte Pfeilspitze gehört mit zu den wenigen geborgenen Funden.
Das Grabungsteam von 2021.
Doch was hat es mit dieser Konstruktion überhaupt auf sich? Da Vergleiche fehlen öffnet sich hier ein breiter Interpretationsraum. Abgesehen von einigen wenigen Scherben, die auf dem Findling geborgen wurden, deuten die Befunde zunächst nicht auf eine Grabanlage hin. Bei den nach Osten und Westen hin liegenden Durchgängen entsteht die Idee, dass die Anlage möglicherweise mit astronomischen Konstellationen in Zusammenhang steht. Berechnungen dazu haben jedoch keine eindeutigen Ergebnisse erbracht. Somit bleiben profane Interpretationsansätze, die wirtschaftliche und/oder gesellschaftliche Aktivitäten umfassen. Nicht auszuschließen wäre dabei eine Nutzung als Verarbeitungsplatz, wobei Nachweise von Produktionsabfällen fehlen. Am sinnvollsten erscheint uns derzeit die Idee, dass der Ort als Treffpunkt bzw. Veranstaltungsort gedient haben könnte. In der vorausgegangenen Trichterbecherkultur zählten Großsteingräber und Erdwerke als Orte für Praktiken, durch welche die gemeinschaftliche und kulturelle Bindung gestärkt wurde. Sie dienten als Orte der Erinnerung. Möglicherweise lässt sich hier auch die besondere Anlage einordnen. Die Nutzung kann dabei nur wenige Jahrhunderte umfasst haben, bereits in der Frühbronzezeit setzte die Vermoorung ein, in dessen Zuge die Konstruktion spätestens mit Steinen abgedeckt wurde.