In den letzten Monaten waren wir zwar nicht mehr im Feld unterwegs, aber die Arbeiten am Schreibtisch gingen weiter voran. Bei der Auswertung versuchen wir alle Puzzleteile zusammenzufügen und die Steinzeit im Ahlen-Falkenberger Moor zu verstehen. Dabei kommen natürlich einige Fachbeiträge heraus, die zum Teil schon eingereicht sind und sich in einem Verfahren zur wissenschaftlichen Qualitätssicherung (peer review) befinden. Verschiedene Archäologinnen und Archäologen lesen unsere Ergebnisse nun durch und bewerten, ob alle wichtigen Informationen vorhanden sind. Gleichzeitig arbeiten wir aber auch an einem Broschüre, um die Ergebnisse auch allgemeinverständlich zu präsentieren. Und zu guter Letzt hoffen wir natürlich unsere Forschungen weiterführen zu können.
Neue Publikationen erschienen
Im Blog und auch im Projekt ist es etwas ruhiger geworden, was daran liegt, dass das Projekt seit Mitte 2022 im Umfang verringert und dann Ende des Jahres ausgelaufen ist. Die letzten Monate und auch aktuell sind wir noch damit beschäftigt die letzten Daten auszuwerten und auf letzte Analyseergebnisse zu warten. Damit stehen auch die abschließenden Publikationen an. Drei der Veröffentlichungen sind vor wenigen Tagen erschienen – darunter Artikel zu den Abschlussarbeiten von Pière Leon Frederiks und Anika Krause (beide HTW Berlin)!
Mission accomplished – die Abschlussarbeit zur eisenzeitlichen Wasserstelle erfolgreich verteidigt
Im Februar und April 2021 konnten wir eine eisenzeitliche Wasserstelle westlich von Ahlen-Falkenberg entdecken und untersuchen. Die Arbeiten wurden von Anika Krause unterstützt, die ihre BA-Arbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin im Studiengang Grabungstechnik über die Ausgrabungen verfassen wollte. Im Februar 2022 hat sie die Abschlussarbeit nun eingereicht und im April erfolgreich verteidigt. Wir gratulieren!!! Anika beschreibt in ihrer Arbeit den Grabungsverlauf, die ausgegrabenen Schichten und das Fundmaterial. Sie belegt, dass die Wasserstelle mehrfach genutzt und dabei ausgebessert wurde, u.a. mit Trittsteinen. Als Studentin der Grabungstechnik lag ihr Fokus auch auf der Beschreibung und Nutzung des Vermessungstools Tachy2GIS, welches während der Grabung getestet wurde. Eine Veröffentlichung der Ausgrabungsergebnisse ist für die kommende SKN geplant.

Steinzeit-Ausstellung in Hannover

Passend zum archäologischen Zeitrahmen unseres Projektes ist im Landesmuseum Hannover vor wenigen Tagen die Ausstellung „Die Erfindung der Götter – Steinzeit im Norden“ eröffnet worden. Hier finden sich schöne und besondere Funde und vor allem eine Menge Informationen zum Thema Steinzeit. Natürlich sind in der Ausstellung und im dazugehörigen Buch spannende Fundstellen aus Niedersachsen, dem Elbe-Weser-Dreieck und auch Wanna und Flögeln dabei.
Neuer Versuch – Infoveranstaltung im MoorIZ am 10. Mai 2022
Nachdem im letzten Herbst die Infoveranstaltungen zu unserem Projekt z.T. ausfallen mussten, möchten wir nun den Termin am 10. Mai nachholen. Über drei Jahre forschen wir nun im Ahlen-Falkenberger Moor und möchten unsere Ergebnisse gern allen Interessierten vorstellen. Dazu laden wir wie gewohnt ins MoorIZ ein, Einlass ab 18 Uhr, um 19 Uhr geht es los. Bitte beachten Sie die dann geltenden Corona-Bestimmungen. Gern kann bei dieser Gelegenheit die kleine Sonderaustellung zur Archäologie im Ahlen-Falkenberger Moor kostenfrei besichtigt werden. Auch werden wir Funde aus der Grabungskampagne 2021 zeigen. Wir freuen uns über rege Teilnahme und viele bekannte Gesichter.

Planungen für 2022
Dieses letzte Projektjahr steht ganz im Zeichen der Aufarbeitung. Nachdem die Geländearbeiten abgeschlossen sind, werden gerade die Ergebnisse zusammengetragen, Karten sowie Modelle erstellt und in verschiedenen Beiträgen zur Publikation vorbereitet. Für letzte abschließende Proben werden noch vereinzelte Bohrungen vorgenommen. Die geomagnetischen Prospektionen sind mit über 800 ha gemessener Fläche in diesem Rahmen mehr als ausreichend und werden nicht weiter fortgesetzt.
Hiermit sind die Vorhaben im Projekt „Relikte im Moor“ absehbar abgeschlossen. Wir möchten unsere Forschungen allerdings gern fortsetzen. Nachdem nun die Großsteingräber im Fokus standen und wir aufgrund der sehr guten Erhaltungsbedingungen umfangreiche Einblicke in die Bestattungslandschaft erhalten haben, ist die dazugehörige Siedlungslandschaft als Ergänzung von zentraler Bedeutung für das Verständnis der Trichterbecherkultur. Selten konnten bislang beide Bereiche innerhalb einer Fundplatzregion erforscht werden. Die Ausgrabungen im Siedlungsbereich 2021 haben gute Ergebnisse geliefert und bieten wichtige Voraussetzungen für eine weitere Förderung. Ein erster Antrag für eine zunächst kleinräumige fortsetzende Untersuchung in diesem Jahr wird derzeit vorbereitet. Danach heißt es Daumen drücken.
Spuren aus der frühen Eisenzeit unter dem Moor
Im Februar and April letzten Jahres haben wir im Westen von Ahlen-Falkenberg nach Siedlungsspuren gesucht und dabei eine Art Wasserstelle entdeckt. Aus dem Sediment am Grubenboden konnten Holzkohlestücke geborgen werden, die nun datiert sind – und zwar in die sehr frühe Eisenzeit. Damit kann die zeitliche Einordnung der Fundstelle, welche bereits anhand der keramischen Funde geschätzt wurde, bestätigt werden. Die in der Eisenzeit lebenden Menschen waren damals mit einer bereits stark vernässten und vermoorten Landschaft konfrontiert. Zahlreiche Bohlenwege aus dem Elbe-Weser-Dreieck, die aus diesem Zeithorizont stammen, bezeugen wie sich die damalige Bevölkerung Lebensräume erschlossen hat. Die in Ahlen-Falkenberg freiegelegte Wasserstelle gibt nun Einblick in die Landnutzung. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit erfolgt derzeit die Aufarbeitung der Ausgrabungen, in dessen Zuge auch die Nutzungsgeschichte des Platzes rekonstruiert werden soll.

Wir wünschen Frohe Feiertage!
Nun ist auch das dritte Projektjahr um und wir blicken auf ein intensives und spannendes Jahr zurück. Im kalten Winter haben wir mit Bohrungen sowie geomagnetsichen Prospektionen angefangen und bei -8°C Sondagegrabungen vorgenommen. Sicherlich wurde dieser Einsatz etwas ungläubisch beäugt, doch es hat sich gelohnt. Wir fanden eine vermutlich bronzezeitliche Wasserstelle, welche im April genauer untersucht wurde. Im Sommer folgte unsere vorerst letzte große Ausgrabungskampagne. Zum einen untersuchten wir einen Siedlungsbereich der Trichterbecherkultur, zum anderen den ominösen Steinhaufen, der sich als Kultplatz der ausgehenden Stein- bzw. frühen Bronzezeit erwies. Mit viel studentischer Kraft und der Unterstützung lokaler Landwirte haben wir hunderte von Steinen bewegt, Schubkarren gefüllt und die Erde nach Funden geschlämmt. Mit viel Erfolg, denn die zu Tage getretenen Steinkonstruktionen sind einzigartig und das Fundmaterial gibt einen sicheren Anhaltpunkt für die Datierung sowie die Art der Aktivitäten.
Parallel liefen die Berechnungen zur prähistorischen Landschaft. Die Rekonstruktion des vor der Vermoorung bestehenden Geländereliefs wurde mit einzelnen Bohrungen verfeinert, das Wachstum des Moores durch zahlreiche Datierungen abgesichert. Auch die Zusammensetzung der Flora vor dem Moor und die Entwicklung im Zuge der Vernässung standen im Fokus. Alles wurde visualisiert in 3D-Modellen.

Auch in diesem Jahr konnten wir bei unseren Arbeiten wieder auf die Unterstützung der Gemeinde, den Landwirten, der Denkmalpflege und den Anwohnern von Ahlen-Falkenberg zählen. Gemeinsam gelang es die (fast) größten Steine zu bergen. Das Highlight war die Eröffnung der Miniausstellung im MoorIZ zu unserem Projekt, in dessen Rahmen wir die Möglichkeit haben unsere Arbeiten vorzustellen. Auch sind wir dankbar, dass wir mit den entsprechenden Hygienemaßnahmen dieses Jahr wieder Führungen anbieten konnten und sind begeistert von dem regen Interesse an der Prähistorie in der Region.
Das kommende Jahr steht im Zeichen der Publikation. Alle zusammengetragene Daten werden sortiert und in Fachzeitschriften vorgelegt. Weiterhin wollen wir die Infoveranstaltungen wieder aufnehmen, um die nun fast vollständigen Ergebnisse abschließend vorstellen zu können.
Wir danken allen Beteiligten für die tatkräftige, geistige und kulinarische Unterstützung, die zum Erfolg dieses Projektjahres beigetragen hat und wünschen erholsame, besinnliche sowie friedliche Feiertage!
Wissenschaftlicher Artikel online
Gerade während der ersten Lockdowns haben wir uns auf die Aufarbeitung von Altdaten konzentriert. Dabei ist unter anderem eine Neubetrachtung der möglichen Kulthäuser von Hainmühlen und Flögeln – südlich des Ahlenmoores – entstanden.
Mennenga, M.: Danish cult houses in north-western Germany? Rethinking the Funnel Beaker buildings of Flögeln and Hainmühlen, District of Cuxhaven. Prähistorische Zeitschrift, aop. DOI: https://doi.org/10.1515/pz-2021-2011

Zusammenfassung:
Zwei Befunde, die während der Ausgrabungen von Flögeln und Hainmühlen, beide Ldkr. Cuxhaven, in den 1960er und 1980er Jahren entdeckt wurden, werden immer wieder in Zusammenhang mit den Kulthäusern der Trichterbecherkultur in Dänemark genannt. Einzelne Aspekte dieser Befunde wurden in geringem Umfang publiziert, aber noch nicht detailliert und zusammenfassend betrachtet. Viele der Informationen fanden im Laufe der Zeit durch mündliche Mitteilungen Eingang in die Fachliteratur und wurden so immer wieder zitiert. Um dieses Desiderat zu beseitigen werden die Funde und Befunde im Folgenden noch einmal vorgestellt und mit weiteren Befunden der Trichterbecherzeit verglichen.
Innendienst – Fundaufnahme und weitere laufende Arbeiten
Nach Abschluss der letzten Grabungen ist die Aufarbeitung der erhobenen Daten im vollen Gange. Dazu zählt auch die finale Aufnahme der Funde nach wissenschaftlichen Kriterien. Nachdem die Funde am NIhK zuvor gewaschen und beschriftet wurden, kann die Fundanalyse beginnen. Für die Feuersteinartefakte wird dabei das Aufnahmesystem SDS (Systematische und digitale Erfassung von Steinartefakten) angewandt. Hierzu werden die Objekte zunächst nach Größe und anschließend nach Typ (Klinge, Abschlag, Kern usw.) sortiert. Es erfolgt das Wiegen und Zählen der Funde pro Katergorie. Für bearbeitete Stücke gibt es noch ein erweitertes Aufnahmesystem von SDS, mehr Informationen sind über den oberen Link erhältlich. Auch Felsgesteinfunde (Mahlsteinfragmente, Reibkugeln, etc.) werden mit SDS aufgenommen.

Für die keramischen Funde kommt das Aufnahmesystem von NoNeK (Nordmitteleuropäische Neolithische Keramik) zur Anwendung. Hierfür werden die Scherben zunächst ausgelegt und nach Zusammenpassungen untersucht. Wenn eindeutig festgestellt werden kann, dass einzelne Stücke zu einem Gefäß zusammengehören, werden diese als eine Einheit in NoNeK aufgenommen, ansonsten jede Scherbe für sich. In der Datenbank werden sämtliche metrischen (Gewicht, Größe, Dicke) sowie beschreibende Faktoren (Scherbenart, Magerung, Farbe, Erhaltung) erfasst. Verzierungen kommen in einem gesonderten Formblatt zu Aufnahme und werden nach einem Musterkatalog zugeordnet. Auf diese Weise können Verzierungstypen und -formen verglichen werden.
Das restliche Fundmaterial (Bernstein, Proben) wird in einer einfachen Datenbank erfasst. Die Arbeiten sind mittlerweile weitesgehend abgeschlossen. Parallel erfolgen die letzten 3D-Modell- Rechnungen und Überarbeitungen. In einem letzten Schritt sollen die Funde mit den Modellen kombiniert werden, so dass beispielsweise für die Grabkammer des Grabengrabs erkennbar wird, wo die einzelnen Funde lagen und welche Keramikscherben zusammengehörten. Auf diese Weise kann dargestellt werden, wie und welche Beigaben ursprünglich platziert worden sind.

