Bald geht es wieder los

In zwei Wochen starten wir unsere vorerst letzte Grabungskampagne im Rahmen des Projektes, vom 21.6. – 13.8. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Freilegung und vollständigen Untersuchung der 2019 entdeckten Steinkiste an der Seestraße in Ahlen-Falkenberg. Das vermutlich vor 4000 Jahren errichtete Grab ist in seiner Konstruktion ungewöhnlich, zudem sind Steinkisten im Raum des Elbe-Weser-Dreiecks relativ selten und bislang kaum untersucht. Nun bietet sich hier die Möglichkeit wichtige Forschungsfragen zu beantworten.

Parallel soll mit einem 2. Team zunächst der im Winter durch Bohrungen entdeckte potenzielle Siedlungsplatz unter die Lupe genommen werden. Mit einem Baggerschnitt gilt es zu klären, ob Siedlungschichten vorhanden sind und wenn ja, in welchem Zustand sich diese befinden. Wir hoffen hierbei auch auf Siedlungsbefunde, wie Gruben und Pfostensetzungen zu stoßen. Da die erbohrte Schicht gute 1,6 m vom Moor überdeckt wird, stehen die Chancen für eine organische Erhaltung gut. Grabungstechnisch stehen wir andererseits vor einer großen Herausforderungen, für die wir im April ja bereits üben konnten.

In der 2. Grabungshälfte und nach Abschlusss der Ausgrabungen im Siedlungsbereich wandern wir rüber zu dem bereits 2020 untersuchten Ganggrab im Graben und setzten hier unsere Untersuchungen des Gräberumfeldes fort. Nachdem wir durch Bohrungen erste Anomalien entdecken konnten, die auf Aktvitäten in der Umgebung des Grabes schließen lassen, suchen wir nach weiteren. Hierbei soll geprüft werden, ob diese mit dem Grabbau, Bestattungszeremonien oder späteren rituellen Handlungen in Verbindung stehen könnten.

Zusätzlich werden vereinzelte Bohrungen vorgenommen, um die letzten Lücken der Landschaftsrekonstruktion zu schließen.

Wir sind gespannt, was alles kommen wird in diesem Jahr. Unsere FSJ-leistende Mitarbeiterin V. Collins ist mit dabei.

Unser Grabungsteam besteht neben unseren beiden Grabungstechnikern sowie zwei FSJler aus Studenten der Universitäten Bremen, Kiel, Hamburg und Deventer, NL sowie der HTW Berlin und dem RGZM Mainz. Über den langen Zeitraum von acht Wochen werden die Teilnehmer im Schnitt nach 3-4 Wochen wechseln. Auch bei uns gelten die Abstandsregeln und ein regelmäßiges Testen, um diese Grabung durchführen zu können.

Die allgemein gültigen Corona-Regelungen gelten auch im Hinblick auf Besuche der Ausgrabungsstätten. Einzelne Besucher (d.h. ein Haustand) sind uns jederzeit herzlich willkommen. Sofern es die Arbeit erlaubt, beantworten wir auch gern ausführlicher Fragen. Inwiefern wir Führungen anbieten können, entscheiden wir jeweils wöchentlich je nach aktueller Fallzahl. Termine werden über den Blog sowie über die Internetseite des MoorIZ angekündigt. Vorgesehen sind jeweils zwei Termine immer mittwochs: vormittags – Besichtigung der Grabungsstätte Steinkiste, nachmittags – Einführung + Besichtigung.

Wasser braucht Jedermann?

Bei unseren Untersuchungen im April im westlichen Ahlen-Falkenberg hat sich die bronzezeitliche Wasserstelle bewahrheitet. Es zeigte sich eine im Dm. etwa 1m kreisrunde Grube, die bis zu 80cm eingetieft war. Während die eine Seite steil eingegraben war, lagen auf der gegenüberliegenden zahlreiche Steine, welche als Befestigung des Zugangs dort platziert worden sind. Die Grube wurde mehrfach neu ausgehoben und vermutlich über einen längeren Zeitraum genutzt. Mehrere rauhwandige Scherben, welche hier geborgen werden konnten, erlauben eine zeitliche Einordnung in die späte Bronzezeit bzw. die frühe Eisenzeit. Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels haben sich zudem Äste und Zweige am Grubenboden erhalten, die eine genauere Datierung möglich machen. Welche Funktion die Grube hatte, ist nicht sicher bestimmbar. Das es sich um eine Wasserstelle handelt ist zwar eindeutig, allerdings nicht um eine Entnahmestelle für Trinkwasser. Es wäre eher denkbar, dass hier Nutzwasser entnommen wurde, oder die Stelle als Tränke diente.

Die Ausgrabungen im April standen ganz im Zeichen der Grabungstechnik und des Wassers (siehe Bilder). Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels musste das nachlaufende Wasser durchgängig abgeleitet werden. Jeden Morgen erfolgte zunächste das Abpumpen der Grabungsfläche. Mit einer Grundwasserabsenkung konnte schließlich in einer Tiefe von 1,5m die Grubensohle dokumentiert werden. Wir hoffen im Sommer unter trockeneren Bedingungen ausgraben zu können. Falls nicht, konnten wir hier schon mal üben.

Was vom Grabe übrig bleibt

Großsteingräber zählen aufgrund ihrer imposanten Erscheinung zu den beeindruckensten Hinterlassenschaften der Jungsteinzeit. Vielen ist bekannt, dass es einst viel mehr dieser Bauten in Nordeuropa gegeben hat und die Gräber zumeist Steinschlägern oder der Flurbereinigung zum Opfer fielen. Unsere Grabungen zeigen zudem, wie die Anlagen ursprünglich ausgesehen haben, bevor Menschen nachfolgender Kulturen oder in der Moderne die Monumente häufig in nackte Felsriesen verwandelten. Wie viel von den Gräbern im Elbe-Weser-Dreieck übrig ist und was sie uns noch über die einstigen Erbauer der Trichterbecherkultur verraten, kann im aktuellen Marschenratsheft nachgelesen werden.

ANJA BEHRENS und ANDREAS HÜSER – Was vom Grabe übrig bleibt – Die unterschiedliche Erhaltung trichterbecherzeitlicher Großsteingräber im Landkreis Cuxhaven. Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee 58 / 2021, 24-31.

Auf den Spuren der Bronzezeit?!

In Februar konnten wir bei unserem Wintereinsatz eine Steinstruktur angraben, welche knapp 1m unter Torfschichten verborgen liegt. Kommende Woche soll diese nun vollständig freigelegt werden. Im kleinen Team wollen wir innerhalb einer Woche den Befund genauer untersuchen, um einerseits die zeitliche Stellung zu klären und andererseits die Art der Konstruktion zu prüfen. Im Februar fanden wir zwei kleine Scherben, die auf die Bronzezeit hindeuten. Die Untersuchung der Struktur ist ein weiterer wichtiger Baustein für die Landschaftsrekonstruktion, weitere Aussagen über die Begehbarkeit des Moores sollten danach möglich sein.

Die Kampagne wird außerdem genutzt, um neue Dokumentationsmethoden zu testen und für die lange Sommerkampagne zu erproben.

Frost und Grundwasser verhinderten eine Untersuchung der Steinstruktur im Februar.

Artikel in der „Archäologie in Deutschland“

Im Rahmen unseres Projektes versuchen wir natürlich auch immer die neusten Informationen nicht nur für die Fachkolleginnen und -kollegen zu publizieren, sonder auch für alle, die an Archäologie oder unseren Forschungen interessiert sind. Am 24. März wird in diesem Zusammenhang ein Artikel in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“ über das Projekt und erste Ergebnisse erscheinen. Zu kaufen gibt es diese in (hoffentlich dann wieder geöffneten) Buchhandlungen und Zeitschriftenläden – also nicht nur für das Fachpublikum.

Landschaftsrekonstruktion

Eines der Ziele des Projektes ist es die Landschaft zu rekonstruieren in der die Menschen der Trichterbecherkultur lebten. Dabei gibt es natürlich eine große Unschärfe. Wir wissen wie die Vegetation sich zusammensetzte, an welcher Stelle welcher Baum stand und wie genau die Zusammensetzung an einer bestimmten Stelle aussah werden wir nicht sagen können. Ebenso werden viele weitere Aspekte für uns nicht nachzuvollziehen sein. Um jedoch aufzeigen zu können wie es ausgesehen haben könnte, tragen wir unsere Daten zusammen und entwickeln Modelle. Eines dieser Modelle ist unten rechts zu sehen. Die Lage der Gräber, die Zusammensetzung der Vegetation, das Gelände und der Meeresarm sind hier auf Grundlage der gewonnen Daten dargestellt. Im Vergleich dazu ist auf der linken Seite ein Luftbild der heutigen Situation aus der identischen Perspektive.

Links: Der Blick von oben über die drei in Reihe liegenden Megalithgräber
Rechts: Rekonstruktion der Landschaft auf Grundlage der im Forschungsprojekt gewonnenen und zusammengeführten Daten (Digitales Modell der Rekonstruktion: P. L. Frederiks)

Zweier-Gesprächsrunde rund um die Archäologie

Da das Interesse an der Archäologie im Allgemeinen sehr groß ist, möchten wir an dieser Stelle auf eine Expertenrunde hinweisen. Im Schloss Gottorf in Schleswig, S-H, finden neuerdings regelmäßige Treffen zwischen dem Museumsleiter Claus von Carnap-Bornheim und dem Steinzeitarchäologen Dr. Sönke Hartz statt, bei denen Ausstellungsstücke der Landessammlung vorgestellt sowie Aspekte rund um die steinzeitliche Lebensweise besprochen werden. Sehr anschaulich werden hier Einblicke in die Vergangenheit gegeben, die sich für jeden Interessierten lohnen.

Keine „Schönwetterarchäologen“

Trotz des rauen Wetters haben wir gestern planmäßig mit unseren Grabungen begonnen. Mit dem Bagger erforschen wir Kulturschichtbereiche, die beim Bohren entdeckt werden konnten. Ob es sich hier um Siedlungsspuren handelt, gilt es zu prüfen. Bei Frost und eisigem Wind keine leichte Herausforderung, aber noch machbar. Sollten die Temperaturen jedoch weiter in den Gefrierkeller kriechen, oder es zu umfangreichem Schneefall kommen, müssen wir die Arbeiten vermutlich einstellen. Geplant ist eine Woche, um die Fläche im westlichen Ahlen-Falkenberg zu untersuchen.

Arbeiten bei Frost. Das abgezogene Planum muss gleich geputzt werden, da die Fläche schnell friert.

Volltreffer!

In den letzten Tagen sind wir wieder mit zwei Personen in der Region unterwegs, um die Moormächtigkeit zu erbohren und die noch fehlenden Daten für die Rekonstruktion der Oberfläche unter dem Moor zu gewinnen. Schon von Anfang an achten wir dabei natürlich auch auf potenzielle Siedlungsanzeiger, also Bodenveränderungen, die uns zeigen, dass an dieser Stelle mal eine menschliche Aktivität stattfand. Auf diesem Wege konnten wir schon ein paar Potenzialflächen ausmachen, doch vor ein paar Tagen haben wir einen Volltreffer gelandet. Bei einer Bohrung konnte unter mehr einem Meter Moor eine auffällige Schicht erbohrt werden – in dieser Schicht kam im Bohrstock auch eine urgeschichtliche Scherbe mit hoch. Nach weiteren Bohrungen könnte es sich um einen urgeschichtlichen Aktivitätsbereich handeln…. weitere Untersuchungen werden folgen!

Unsere Forschungen im Jahr 2021

Das Jahr ist noch jung und unsere Planung weitesgehend abgeschlossen. Nachdem sich durch die Corona-Pandemie im letzten Jahr unsere Arbeiten etwas verzögert haben, steht für dieses Jahr einiges an. Im folgenden dazu eine kleine Übersicht:

  • Bohrungen – Januar/Februar
  • Kleinflächige Untersuchung eines Siedlungsbereiches – Feburar
  • Fortsetztende Ausgrabungen am Steinkistengrab sowie am Großsteingrab – Mitte Juni – Mitte August

Für die große Sommerkampagne werden wir versuchen wieder Führungen anzubieten, vermutlich mit Anzahlbegrenzung und natürlich unter Einhaltung der dann geltenden Corona-Regelungen. Wir hoffen zudem im Herbst wieder Infoveranstaltungen geben zu können, um über den Fortgang und Stand der Arbeiten zu informieren.

Wir freuen uns auf dieses Projektjahr und hoffen, unsere bisherigen Erkenntnisse abrunden zu können. Schön wäre es, wenn Sie uns dabei wieder begleiten.