Letzte Woche konnten wir die Freilegungsarbeiten am Steinkistengrab abschließen, nachdem wir 1,5 Wochen hunderte Steine geschrubbt, die Zwischenräume freigekratzt und mit dem Staubsauger sauber gemacht haben. Nach der Dokumentation, zu der auch SFM-Aufnahmen für eine 3-D-Darstellung gehörten, ging es am Freitag weiter. In den folgenden Wochen nehmen wir nun von oben Lage für Lage ab und es heißt dann wieder schrubben, kratzen, pinseln, staubsaugen, dokumentieren, Steine weg, schrubben, ….
Durch die umfassende Freilegung zeichnen sich nun verschiedene Konstruktionselemente ab, die das Steinkistengrab gliedern. So befindet sich um den bereits erkennbaren großen Deckstein eine massive Steinpackung, die von größeren Steinen eingefasst wird. Davor liegt eine bis zu 50 cm breite Steinpflasterung aus Feldsteinen, die den Steinkreis umgibt. Zahlreiche, verlagerte Steine überlagern an vielen Stellen noch die Strukturen, welche im Zuge der weiteren Ausgrabungen hoffentlich deutlicher erkennbar werden. Es bleibt spannend.
Parallel zu den Freilegungsarbeiten am Steinkistengrab begannen am Montag auch die Untersuchungen im möglichen Siedlungsbereich. Einige hundert Meter südlich vom MoorIZ fanden unsere Grabungstechniker imJanuar Hinweise auf einen möglichen Wohnbereich, den wir die kommenden Wochen nun genauer unter die Lupe nehmen. In vier großen Schnitten erfolgte bereits das Ausbaggern der Torfschichten, die Schnitte sollen dann nacheinander weiter per Hand ausgegraben werden.
Mit einem Bagger werden die Schnitte angelegt und die Torfschichten bis kanpp oberhalb des darunterfolgenden Sandes ausgehoben.
Nachdem im Schnitt 1 der erste Abtrag am Freitag geschafft war, wird unter den Torfschichten großflächig heller Sand sichtbar – gespickt mit Feuersteinfunden, wie Abschläge und Trümmer, aber auch eine Klinge, zwei Kerne sowie zwei Schaber konnten bereits gefunden werden. Und noch viel wichtiger: Keramik, der Menschenanzeiger schlechthin. Aufgrund der Feuchtigkeit sind die überwiegend kleinen Bruchstücke schlecht erhalten. Auch konnten wir bislang keine verzierten Stücke finden, so dass eine zeitliche Einordnung der Fundplatzes bis dato nicht möglich ist. Anhand der Magerung der Tonware ist jedoch klar, dass es sich um urgeschichtliche Keramik handelt.
Was nun fehlt sind die Befunde – Strukturen wie Pfostenlöcher und Gruben, welche eine sichere Einordnung als Siedlung erlauben würden. Wir nehmen an, dass unterhalb des hellen Sandes möglicherweise diese Befunde zu finden sein werden und sind gespannt auf die nächsten Abträge.
Die letzten Bereiche werden ausgegraben und geputzt, dann ist der erste Abtrag geschafft.
Auch in diesem Jahr wollen wir die Möglichkeit bieten, dass alle Interessierten einen Blick auf unsere Grabung werfen können. Dabei können Sie an zwei verschiedenen Führungen teilnehmen.
Für alle Führungen muss sich vorher angemeldet werden. Durch die aktuellen Verordnungen und Vorgaben ist der organisatorische Aufwand für die Führungen relativ hoch. Daher haben wir uns entschlossen für die Führungen Tickets auszugeben, diese sind kostenfrei über die angegebenen Links zu buchen. Bitte drucken Sie die Tickets aus oder bringen Sie diese digital mit. Ohne Tickets ist die Teilnahme an der Führung nicht möglich.
Bei dieser Tour wird es vorab eine ausführliche Einführung zum laufenden Projekt „Relikte im Moor“ geben. Danach erfolgt die Besichtigung des Steinkistengrabes, welches derzeit archäologisch untersucht wird.
Mittwoch, 30. Juni 2021 15:00 Uhr Mittwoch, 14. Juli 2021 15:00 Uhr Mittwoch, 28. Juli 2021 15:00 Uhr Mittwoch, 4. August 2021 15:00 Uhr
Bereits letzte Woche haben unsere Grabungstechniker angefangen, das Steinkistengrab wieder aufzubaggern und den Schnitt von 2019 freizulegen, der dabei noch etwas vergrößert wurde. Heute begann die Feinarbeit – mit vorerst fünf Studenten werden die einzelnen Steine freigeschaufelt und gesäubert, um den Ausgangszustand von 2019 zu erreichen. Der große Deckstein liegt bereits wieder sichtbar im Schnitt. Im Laufe der Wochen soll er vollständig freigelegt und die umgebenden Steinstrukturen erforscht werden. Danach folgt die Bergung des Steines und wir werden endlich wissen, was er verbirgt.
Seit Beginn des Projektes hat uns Pière Leon Frederiks, Student an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, begleitet und mit seiner Tatkraft und seinem Können als Bohrprofi unterstützt. Im Laufe der Zeit hat sich Pière viel Wissen über die Moorentstehung und – entwicklung angeeignet und zusätzlich die 3D-Modellierungen der prähistorischen Landschaft vorgenommen. Den westlichen Untersuchungsbereich von Ahlen-Falkenberg nahm er als Grundlage für seine Magisterarbeit mit dem Titel „Rekonstruktion einer übermoorten prähistorischen Landschaft bei Wanna, Ldkr. Cuxhaven“, die er letzte Woche nun erfolgreich verteidigt hat. Wir gratulieren Dir aufs Herzlichste zu diesem Meilenstein, danken für Deine wertvolle Unterstützung im Projekt und für das viele, was du uns beibringen konntest!
Rekonstruktion eines Ganggrabes im Ahlen-Falkenberger Moor zum Zeitpunkt der Erbauung vor über 5000 Jahren (Grafik: P. Frederiks, NIhK).
In zwei Wochen starten wir unsere vorerst letzte Grabungskampagne im Rahmen des Projektes, vom 21.6. – 13.8. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Freilegung und vollständigen Untersuchung der 2019 entdeckten Steinkiste an der Seestraße in Ahlen-Falkenberg. Das vermutlich vor 4000 Jahren errichtete Grab ist in seiner Konstruktion ungewöhnlich, zudem sind Steinkisten im Raum des Elbe-Weser-Dreiecks relativ selten und bislang kaum untersucht. Nun bietet sich hier die Möglichkeit wichtige Forschungsfragen zu beantworten.
Parallel soll mit einem 2. Team zunächst der im Winter durch Bohrungen entdeckte potenzielle Siedlungsplatz unter die Lupe genommen werden. Mit einem Baggerschnitt gilt es zu klären, ob Siedlungschichten vorhanden sind und wenn ja, in welchem Zustand sich diese befinden. Wir hoffen hierbei auch auf Siedlungsbefunde, wie Gruben und Pfostensetzungen zu stoßen. Da die erbohrte Schicht gute 1,6 m vom Moor überdeckt wird, stehen die Chancen für eine organische Erhaltung gut. Grabungstechnisch stehen wir andererseits vor einer großen Herausforderungen, für die wir im April ja bereits üben konnten.
In der 2. Grabungshälfte und nach Abschlusss der Ausgrabungen im Siedlungsbereich wandern wir rüber zu dem bereits 2020 untersuchten Ganggrab im Graben und setzten hier unsere Untersuchungen des Gräberumfeldes fort. Nachdem wir durch Bohrungen erste Anomalien entdecken konnten, die auf Aktvitäten in der Umgebung des Grabes schließen lassen, suchen wir nach weiteren. Hierbei soll geprüft werden, ob diese mit dem Grabbau, Bestattungszeremonien oder späteren rituellen Handlungen in Verbindung stehen könnten.
Zusätzlich werden vereinzelte Bohrungen vorgenommen, um die letzten Lücken der Landschaftsrekonstruktion zu schließen.
Wir sind gespannt, was alles kommen wird in diesem Jahr. Unsere FSJ-leistende Mitarbeiterin V. Collins ist mit dabei.
Unser Grabungsteam besteht neben unseren beiden Grabungstechnikern sowie zwei FSJler aus Studenten der Universitäten Bremen, Kiel, Hamburg und Deventer, NL sowie der HTW Berlin und dem RGZM Mainz. Über den langen Zeitraum von acht Wochen werden die Teilnehmer im Schnitt nach 3-4 Wochen wechseln. Auch bei uns gelten die Abstandsregeln und ein regelmäßiges Testen, um diese Grabung durchführen zu können.
Die allgemein gültigen Corona-Regelungen gelten auch im Hinblick auf Besuche der Ausgrabungsstätten. Einzelne Besucher (d.h. ein Haustand) sind uns jederzeit herzlich willkommen. Sofern es die Arbeit erlaubt, beantworten wir auch gern ausführlicher Fragen. Inwiefern wir Führungen anbieten können, entscheiden wir jeweils wöchentlich je nach aktueller Fallzahl. Termine werden über den Blog sowie über die Internetseite des MoorIZ angekündigt. Vorgesehen sind jeweils zwei Termine immer mittwochs: vormittags – Besichtigung der Grabungsstätte Steinkiste, nachmittags – Einführung + Besichtigung.
Bei unseren Untersuchungen im April im westlichen Ahlen-Falkenberg hat sich die bronzezeitliche Wasserstelle bewahrheitet. Es zeigte sich eine im Dm. etwa 1m kreisrunde Grube, die bis zu 80cm eingetieft war. Während die eine Seite steil eingegraben war, lagen auf der gegenüberliegenden zahlreiche Steine, welche als Befestigung des Zugangs dort platziert worden sind. Die Grube wurde mehrfach neu ausgehoben und vermutlich über einen längeren Zeitraum genutzt. Mehrere rauhwandige Scherben, welche hier geborgen werden konnten, erlauben eine zeitliche Einordnung in die späte Bronzezeit bzw. die frühe Eisenzeit. Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels haben sich zudem Äste und Zweige am Grubenboden erhalten, die eine genauere Datierung möglich machen. Welche Funktion die Grube hatte, ist nicht sicher bestimmbar. Das es sich um eine Wasserstelle handelt ist zwar eindeutig, allerdings nicht um eine Entnahmestelle für Trinkwasser. Es wäre eher denkbar, dass hier Nutzwasser entnommen wurde, oder die Stelle als Tränke diente.
Wasserstelle mit Trittsteinen.
Bevor die Ausgrabungen losgehen können, muss der offen gelassene Geoschnitt vom Februar entschlammt werden.
Das immer noch hoch stehende Wasser wird abgepumpt.
Nachdem die alte Fläche dokumentiert ist, wird der Schnitt zu beiden Seiten erweitert, um die Wasserstelle in ihrer gesamten Ausdehnung zu erfassen.
Jeden Morgen muss der Schnitt neu abgepumpt werden.
Neben einer Tauchpumpe (gehalten von unserem Grabungstechniker) wird das Grundwasser durch zwei Abpumprohre abgesenkt.
Auf diese Weise war es möglich den Grubenbefund bis zur Basis auszugraben.
Die Ausgrabungen im April standen ganz im Zeichen der Grabungstechnik und des Wassers (siehe Bilder). Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels musste das nachlaufende Wasser durchgängig abgeleitet werden. Jeden Morgen erfolgte zunächste das Abpumpen der Grabungsfläche. Mit einer Grundwasserabsenkung konnte schließlich in einer Tiefe von 1,5m die Grubensohle dokumentiert werden. Wir hoffen im Sommer unter trockeneren Bedingungen ausgraben zu können. Falls nicht, konnten wir hier schon mal üben.
Großsteingräber zählen aufgrund ihrer imposanten Erscheinung zu den beeindruckensten Hinterlassenschaften der Jungsteinzeit. Vielen ist bekannt, dass es einst viel mehr dieser Bauten in Nordeuropa gegeben hat und die Gräber zumeist Steinschlägern oder der Flurbereinigung zum Opfer fielen. Unsere Grabungen zeigen zudem, wie die Anlagen ursprünglich ausgesehen haben, bevor Menschen nachfolgender Kulturen oder in der Moderne die Monumente häufig in nackte Felsriesen verwandelten. Wie viel von den Gräbern im Elbe-Weser-Dreieck übrig ist und was sie uns noch über die einstigen Erbauer der Trichterbecherkultur verraten, kann im aktuellen Marschenratsheft nachgelesen werden.
ANJA BEHRENS und ANDREAS HÜSER – Was vom Grabe übrig bleibt – Die unterschiedliche Erhaltung trichterbecherzeitlicher Großsteingräber im Landkreis Cuxhaven. Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee 58 / 2021, 24-31.
In Februar konnten wir bei unserem Wintereinsatz eine Steinstruktur angraben, welche knapp 1m unter Torfschichten verborgen liegt. Kommende Woche soll diese nun vollständig freigelegt werden. Im kleinen Team wollen wir innerhalb einer Woche den Befund genauer untersuchen, um einerseits die zeitliche Stellung zu klären und andererseits die Art der Konstruktion zu prüfen. Im Februar fanden wir zwei kleine Scherben, die auf die Bronzezeit hindeuten. Die Untersuchung der Struktur ist ein weiterer wichtiger Baustein für die Landschaftsrekonstruktion, weitere Aussagen über die Begehbarkeit des Moores sollten danach möglich sein.
Die Kampagne wird außerdem genutzt, um neue Dokumentationsmethoden zu testen und für die lange Sommerkampagne zu erproben.
Frost und Grundwasser verhinderten eine Untersuchung der Steinstruktur im Februar.
Im Rahmen unseres Projektes versuchen wir natürlich auch immer die neusten Informationen nicht nur für die Fachkolleginnen und -kollegen zu publizieren, sonder auch für alle, die an Archäologie oder unseren Forschungen interessiert sind. Am 24. März wird in diesem Zusammenhang ein Artikel in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“ über das Projekt und erste Ergebnisse erscheinen. Zu kaufen gibt es diese in (hoffentlich dann wieder geöffneten) Buchhandlungen und Zeitschriftenläden – also nicht nur für das Fachpublikum.